Der Steinkohlenbergbau der Gutehoffnungshütte in Oberhausen

Die Zeche Osterfeld

Die Entwicklung der Kokerei

Weil der Koksbedarf ihres Hüttenwerks immer weiter steigt, läßt die GHH 1893 auf der Zeche Osterfeld eine Kokerei bauen. 1895 nimmt die Anlage die Koksproduktion mit 60 Öfen auf. Bis 1910 kommen 205 Öfen hinzu, die auch zur Gewinnung der Kohlenwertstoffe Ammoniak und Teer ausgelegt sind. Die Tagesproduktion liegt bei 1.100 t Koks, 14 t Ammoniaksalz (Kunstdünger) und 25 t Teer. Das anfallende Gas dient zum größten Teil der Beheizung der Koksöfen.

Im Geschäftsjahr 1909/10 fällt die Entscheidung, die Koksöfen auf den neuesten Stand zu bringen sowie die Kohlenwertstoffbetriebe um eine Benzolfabrik und eine Einrichtung zur Gewinnung von Leuchtgas zu erweitern. Beide Anlagen gehen 1912 in Betrieb. Das Leuchtgas wird in das Versorgungsnetz der Gemeinde Osterfeld eingespeist.

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Bild 01: Arbeiter transportieren den gelöschten Koks zur Verladerampe.

Mit dieser technischen Ausrüstung produziert die Kokerei bis 1927. Dann entschließen sich die Verantwortlichen der GHH, die Anlage abzubrechen und durch einen Neubau nach dem neuesten Stand der Technik zu ersetzen. Der Wiederaufbau erfolgt in zwei Abschnitten. Die Batterien I und II setzen ab 1929 in 80 Öfen täglich 2.000 t Kohle durch. Zur Beheizung der Koksöfen verwendet die Gutehoffnungshütte das im neuen Gasometer am Rhein-Herne-Kanal zwischengespeicherte eigene Gichtgas. Dadurch steht das höherwertige Koksgas der Ruhrchemie AG und den Walzwerken der GHH zur Verfügung.
Die baugleichen Batterien III und IV nehmen 1931 die Produktion auf.

In diesen Krisenjahren reicht der in der neuen Anlage erzeugte Koks aus, um den Gesamtbedarf der Gutehoffnungshütte zu decken. Die werkseigenen Kokereien Vondern, Sterkrade und Jacobi werden stillgelegt.
Seit 1936 durchströmt das Rohgas vor der Weiterverarbeitung eine Niederdruck-Entschwefelungsanlage; zwei Jahre später geht eine zweite Benzolfabrik in Betrieb.

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Bild 02: Die Entschwefelungsanlage

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfordert die große Nachfrage nach Koks den Neubau der Batterie V mit 40 Öfen und einem Kohlendurchsatz von 1.000 t je Tag. Dadurch steigt die tägliche Produktion der Kokerei Osterfeld auf rund 3.700 t Koks. 1959 sind die Kokereien Osterfeld und Jacobi in der Lage, den gesamten Koksbedarf der Hüttenwerk Oberhausen AG (HOAG) zu decken. Anfang der 1960er Jahre verringert sich jedoch der Koksverbrauch auf der Hütte, weil zum einen der spezifische Koksbedarf je Tonne Roheisen sinkt und gleichzeitig die ersten Schwierigkeiten auf dem Stahlmarkt auftreten. Die Kokerei muß die Produktion zunächst drosseln, findet dann aber mit einem grobstückigen, festen Koks bei den Gießereien einen neuen Absatzmarkt.
Die Ruhrkohle AG (RAG) trägt den erhöhten Anforderungen an den Umweltschutz Rechnung und läßt zwischen 1971 und 1973 auf der Kokerei Osterfeld südlich der bestehenden Batterien eine völlig neue Koksofenanlage mit 96 Großraumöfen nach dem letzten Stand der Technik bauen. Während der Bauarbeiten läuft die Produktion wie gewohnt weiter.
Seit dem 15. März 1973 erzeugt die neue Anlage – nachdem die Oberbürgermeisterin der Stadt Oberhausen, Luise Albertz, auf den berühmten Knopf gedrückt hatte – mit 400 Mitarbeitern täglich aus 6.600 t Kohle 5.300 t Koks. Die nicht mehr benötigten Batterien I bis V fallen der Abrißbirne zum Opfer.

In den 1970er Jahren steigen die Anforderungen der Kunden an die Koksqualität immer weiter an. Eine optimale Einsatzkohle läßt sich am besten durch die Mischung der Produkte mehrerer Schachtanlagen gewährleisten.

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Bild 03: Oberbürgermeisterin Luise Albertz startet die Produktion in der neuen Anlage. Bild 04: Das Kokskohlenmischlager (heute Gartendom)

Deshalb nimmt die RAG im Januar 1982 ein Kokskohlenmischlager in Betrieb. Die 40,5 m hohe Halle hat 88 m Durchmesser. Hier können 20.000 t Kohle gelagert und gemischt werden. Zusammen mit der Kapazität des Kohlenturms reicht der Vorrat für 3 Tage.
Die Verkleidung der Halle besteht aus kunststoffbeschichteten Trapezblechen. Die von Prof. Julius Natterer entworfene Dachkonstruktion aus Holzleimbindern ist freitragend.
Mit der schrittweisen Stillegung der Oberhausener Hüttenbetriebe zwischen 1968 und 1979 verliert die Kokerei Osterfeld ihren Haupt-Koksabnehmer. Außerdem muß die Beheizung der Öfen auf Koksgas umgestellt werden, weil zwangsläufig auch das Gichtgas ausfällt.

Ab 1980 nutzt die Kokerei den Gasometer am Rhein-Herne-Kanal als Zwischenspeicher für Koksgas. Der eigene Gasspeicher auf dem Kokereigelände wird abgerissen, um Platz für einen Hochspannungsmast zu schaffen.

Der weiter zurückgehende Koksabsatz zwingt die RAG schließlich, die Kokerei Osterfeld zu schließen. Am 13. März 1988 wird hier der letzte Koks gelöscht. Anschließend räumt eine Abbruchfirma das Betriebsgelände bis zum Herbst 1990 frei.

(c) Fritz Pamp

   

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