Der Steinkohlenbergbau der Gutehoffnungshütte in Oberhausen

Die Zeche Osterfeld

Die Entwicklung des Bergwerks bis zur Stillegung 1992

Wegen des weiter schwindenden Absatzes beschließt der Aufsichtsrat der RAG Mitte 1971 einen "Gesamtanpassungsplan für den Bergbaubereich", der die Konzentration der Förderung auf die ertragsstärksten Anlagen festschreibt.
Ziel soll sein, bis 1975 die Fördermöglichkeiten durch die Stillegung von 10 Schachtanlagen und die Bildung von 4 Verbundbergwerken um 14 Millionen Tonnen zu verringern. Dieser Plan bringt das Aus für das Verbundbergwerk Jacobi/Franz Haniel.
Die RAG gibt den Förderstandort Jacobi auf und bildet wie geplant am 1. April 1974 aus der Bottroper Schachtanlage Prosper und der Betriebsabteilung Franz Haniel das neue Verbundbergwerk Prosper-Haniel. Damit fördert in Oberhausen nur noch das Bergwerk Osterfeld. Hier finden am "Nordschacht" fast 800 Bergleute der stillgelegten Zeche Jacobi einen neuen Arbeitsplatz. Durch diesen Belegschaftszuwachs steigt die Tagesförderung auf 10.000 t.

Zeche Osterfeld26
Bild 26: Zur ersten Seilfahrt am "Nordschacht" sind auch die Pressevertreter eingeladen.

Im November 1974 tritt in einem Betrieb in Flöz Gustav nach Beendigung des Abbaus ein Brand auf. Die Grubenwehr dämmt die Begleitstrecken ab und leitet anschließend in das Brandfeld Stickstoff ein, der das Feuer in verhältnismäßig kurzer Zeit löscht. Damit gelingt es erstmalig im westeuropäischen Steinkohlenbergbau, einen Grubenbrand durch Inertisierung (inertisieren = den Luftsauerstoff durch Stickstoff ersetzen) erfolgreich zu be-kämpfen. Nur 4 Wochen später kann der Nachbarbetrieb die Förderung aufnehmen ohne die Belegschaft zu gefährden.

Um dem geneigten Leser die Übersicht zu erleichtern, schildert der Chronist den Ausbauzustand des Bergwerks Osterfeld im Jahre 1991, also kurz vor der Stillegung, im Zusammenhang.
Der Schachtanlage stehen sieben Tagesschächte zur Verfügung, die alle mit elektrischen Fördermaschinen ausgerüstet sind. Die Schächte haben folgende Funktionen:

Zeche Osterfeld27
Bild 27: Tabelle

Die Sterkrader Schächte und der "Nordschacht" dienen neben der regelmäßigen Seilfahrt auch dem Materialtransport.
Der "Nordschacht" ist mit 1.285 m Teufe der tiefste Tagesschacht, der 1.400 m unter der "Hühnerheide" gelegene Sumpf des Blindschachtes 7-6-29 der tiefste Grubenbau im Stadtgebiet von Oberhausen.

Das 44 km² große Grubenfeld liegt unter den Städten Oberhausen, Duisburg und Dinslaken. Es ist in der Nord-Süd-Achse etwa 14 km lang und von West nach Ost 3,5 km breit. In zehn für den Abbau geeigneten Flözen steht eine gute Kokskohle an, die aber wegen des geringen Schwefelgehaltes auch bei Kraftwerksbetreibern ihren Absatz findet.

Zeche Osterfeld28 Zeche Osterfeld29
Bild 28: Das Grubenfeld und die Lage der Schächte Bild 29: Die Antriebsstation von Band 6 im Sterkrader Berg mit 4x355 kW

Die gesamte Materialversorgung läuft über die 6. Sohle, die an die Schächte "Sterkrade 1" und "Sterkrade 2" sowie an den "Nordschacht" angeschlossen ist. Die 7. Sohle dient als Hauptfördersohle; sie hat im Norden einen Anschluß an den "Nordschacht". Förderberge verbinden alle drei Sohlen miteinander.
Eine Großbandanlage transportiert die Kohlen ab 1975 vom "Nordschacht" zu den Osterfelder Schächten. Das System ist 11 km lang und überwindet zwischen der 7. Sohle und der 5. Sohle einen Höhenunterschied von 450 m. Die Bandstraße wird von über Tage aus gesteuert.
Die Förderung kommt 1992 aus fünf Abbaubetrieben. Als Gewinnungsmaschinen sind Doppelwalzenlader und Hobel im Einsatz. Alle Streben haben Schildausbau, davon zwei Ausrüstungen auch eine elektrohydraulische Steuerung. Als Strebfördermittel dienen Stegkettenförderer. Die Abbaubetriebe werden seit 1983 aus übertägigen Revierwarten gesteuert und überwacht. Das Bergwerk betreibt unter Tage Hochspannungsnetze mit 6.000 V Nennspannung. 1979 genehmigt die Bergbehörde im Bereich des "Nordschachtes" ein 10.000 V-Netz.

Zeche Osterfeld30
Bild 30: Die Revierwarte am "Nordschacht"

Die Förderbänder in den Flözebenen sind zum größten Teil für die Personenbeförderung auf beladenem Fördergurt mit Geschwindigkeiten bis zu 2,5 m/s eingerichtet.
Für den Materialtransport auf den Sohlen setzt das Bergwerk Diesel- und Akkulokomotiven ein. Personenzüge verkehren nach Fahrplan zwischen den Seilfahrtschächten und den Abbauschwerpunkten.
Einschienenhängebahnen übernehmen die Materialtransporte in den Flözstrecken. Sie haben überwiegend Dieselantriebe. Ab 1977 läuft auf dem Bergwerk ein Forschungsvorhaben zur Entwicklung von batteriebetriebenen Zuglaufkatzen. Neben  vielen Vorteilen gegenüber den Dieselkatzen (z.B. weniger Lärm, keine Abgase, weniger Wartung) zeigt sich jedoch ein schwerwiegender Nachteil: Mit den bekannten Bleiakkus kann die Batteriekatze in der Reichweite nicht konkurrieren, besonders dann nicht, wenn sie größere Streckenneigungen überwinden muß. Eine "Schlagwettergeschützte Stromschiene", die die Batterien in Steigungsstrecken entlasten und dadurch den Aktionsradius vergrößern soll, kommt leider über das Versuchsstadium nicht hinaus.

Zeche Osterfeld31
Bild 31: Eine Batteriekatze

Wegen der großen Teufe kämpft das Bergwerk Osterfeld bis zur Inbetriebnahme der zentralen Kälteanlage am "Nordschacht" im Jahre 1983 mit klimatischen Schwierigkeiten. An vielen Betriebspunkten arbeitet die Belegschaft nur 7 Stunden, weil die Lufttemperaturen über 28°C liegen.
Die für eine Kälteleistung von 7.500 kW ausgelegte Anlage arbeitet mit zwei Wasserkreisläufen. Im Sekundärkreis strömt durch innenisolierte Leitungen auf 3ºC gekühltes Wasser von der 7. Sohle zu den Betriebspunkten. Vor Ort kühlen ortsveränderliche Wärmetauscher die Wetter so wirkungsvoll, dass die Schichtzeit nur noch in den Abbaubetrieben auf 7 Stunden verkürzt werden muß. Über Rücklaufleitungen, aus denen auch das Brauchwasser entnommen wird, fließt das auf etwa 21ºC erwärmte Wasser zur Zentralanlage zurück.
Über Wärmetauscher transportiert der Primärkreislauf diese Wärme zutage und gibt sie an eine Wärmepumpe und an die Außenluft ab.

Zeche Osterfeld32
Bild 32: Die zentrale Kälteanlage auf der 7. Sohle

Die große Teufe der Grube erfordert auch besondere Maßnahmen zur Beherrschung des Gebirgsdrucks. Schon seit Anfang der 1970er Jahre setzt die Schachtanlage  deshalb immer häufiger hydraulisch abbindende Baustoffe, eine Art Gips, ein. Als Folge davon steigt der Bedarf stetig an. Um Transportproblemen vorzubeugen, beschließt die Werksleitung 1983, eine zentrale Baustoffversorgung zu bauen und zu betreiben. Die Anlage verarbeitet täglich etwa 200 t vollautomatisch auf Anforderung von den Betriebspunkten. Der Baustoff wird aus den Silos über Tage pneumatisch zu den Verbrauchern gefördert und für die Ausbauhinterfüllung sowie zur Herstellung von Begleitdämmen in Abbaustrecken verwendet.

Zeche Osterfeld33 Zeche Osterfeld34
Bild 33 Bild 34: Unter Tage sind an geeigneten Stellen Zwischenbunker installiert, die jeweils mehrere Verbraucher versorgen. Sie werden aus den Silos über Tage gefüllt.

Die Tagesanlagen des Bergwerks verteilen sich auf fünf Standorte:

  • Die fördernden Schächte "Osterfeld 1" und "Osterfeld 3" liegen im Stadtteil Osterfeld am Südrand des Grubenfeldes. Hier befindet sich die Aufbereitung und bis März 1988 auch die Kokerei.
  • Der Schacht "Osterfeld 4" im Stadtteil Klosterhardt ist Abwetterschacht. Der Grubenlüfter saugt mit einem 1.800 kW starken Motor in der Minute 13.000 m³ verbrauchte Luft aus der Grube.
  • Weiter im Nordwesten, in Sterkrade, schließen sich die Material- und Seilfahrtschächte "Sterkrade 1" und "Sterkrade 2" mit den zugehörigen Einrichtungen – zentraler  Materiallagerplatz, Magazin, Werkstätten und Kauen für 3.000 Belegschaftsmitglieder – an. Beide Schächte sind ausziehend. Hier fördert der Lüfter 29 000 m³ je Minute zutage. Der Antriebsmotor leistet 3 500 kW.
    Die Zeche Sterkrade ist Sitz der Werksdirektion des Bergwerks Osterfeld.
  • Am nördlichen Rand des Grubenfeldes liegt der "Nordschacht" mit einer Seilfahrtanlage, der zentralen Kälteerzeugung, der zentralen Baustoffversorgung und den Kauen für die zweite Hälfte der Belegschaft. Er ist Frischwetterschacht.
  • Der einziehende Schacht "Hugo Haniel" versteckt sich in Holten auf dem halben Wege zwischen den Sterkrader Schächten und dem "Nordschacht".

Die Schachtkapazität für die Kohlenförderung beträgt 25.000 t je Tag, das entspricht bei einem Bergeanteil von 50% einer arbeitstäglichen Maximalförderung von 12.500 Tonnen reiner Kohle.

 Zeche Osterfeld35 Zeche Osterfeld36
Bild 35: Die Fördermaschine am Schacht "Sterkrade 1" Leistung: 2 400 kW Bild 36: Die Setzmaschine trennt die Kohle von den mitgeförderten Bergen (Steinen).

Die Aufbereitung (Wäsche) kann in der Stunde 1050 t Rohkohlen verarbeiten. Um eine möglichst gut gemischte Einsatzkohle zu erhalten, wird die Förderung zunächst auf die Kammern eines "Orgelpfeifenbunkers" verteilt, dann über Schwingrinnen abgezogen und den Setzmaschinen zugeführt.
Lastkraftwagen transportieren die Aufbereitungsabgänge, Waschberge genannt, zur Bergehalde Franz Haniel.

Das Verbundbergwerk
Lohberg/Osterfeld

Um die Förderung an den verringerten Absatz anzupassen, beschließt die Ruhrkohle AG 1988, aus den Werksdirektionen Lohberg und Osterfeld das neue Verbundbergwerk Lohberg/Osterfeld zu bilden, das nach der Stillegung des Förderstandorts Osterfeld eine maximale Tagesförderung von 14.000 Tonnen erbringen soll. Von dem Grubenfeld Osterfeld bleibt nur das Nordfeld mit dem "Nordschacht" in Betrieb.
Seit dem 2. Januar 1992 transportiert eine neue, mehr als 5 km lange Bandstraße einen Teil der Förderung nach Lohberg. Serienmäßige Prozeßrechner und Frequenzumrichter in begehbaren, schlagwettergeschützten Überdruckkapseln steuern die Motoren. Diese Technik, die über angepaßte Drehzahlen nicht nur eine optimale Beladung der Förderbänder sondern auch gurtschonende Bremswege sicherstellt, wird hier zum ersten Male im Ruhrbergbau eingesetzt.
Als der letzte Betrieb im Bereich der Sterkrader Schächte die Abbaugrenze erreicht, legt die RAG am 31. August 1992 den Förderstandort Osterfeld still.

Damit stirbt in Oberhausen ein weiterer Industriezweig, der seit 1758, als der Abbau von Raseneisenstein begann, zigtausend Menschen in der Stadt Arbeit und Brot gegeben hat.

Zeche Osterfeld37 Zeche Osterfeld38
Bild 37: Die "Protego-Haube" am Schacht 1 Bild 38: Die Sprengung der Aufbereitung

Im Oktober 1993 werden die Schächte "Osterfeld 4" und "Hugo Haniel" vollständig mit Beton verfüllt.
Im November 1993 folgen die Schächte "Osterfeld 1" und "Osterfeld 3". Hier genehmigt die Bergbehörde eine Teilverfüllung mit Beton. Eine im Schacht 1 mitgeführte Rohrleitung ermöglicht es, das auftretende Grubengas über eine "Protego-Haube", ein spezielles Überdruckventil, gezielt abzuleiten.
Am 10.11.1993 fällt die Aufbereitung nach einer Sprengung in sich zusammen.
Die Trümmer sind noch nicht ganz beseitigt, als am 12.01.1994 der Turm über dem Schacht "Osterfeld 1" mit Plastiksprengstoff dem Erdboden gleichgemacht wird. Nicht einmal für die Turmfördermaschine gibt es einen neuen Einsatzort, sie stürzt mit in die Tiefe.

Zeche Osterfeld39
Bild 39: Die Sprengung des Förderturms über dem Schacht "Osterfeld 1"

Das Verbundbergwerk Lohberg/Osterfeld betreibt in Sterkrade den Materialplatz und beide Schächte einschließlich Lüfter bis Ende 1993 weiter. Im neuen Jahr liefert das Magazin Lohberg das Material für die noch im ehemaligen Osterfelder Grubenfeld fördernden Betriebe über die 4. Sohle zum "Nordschacht".
Im Mai 1994 verfüllen Mitarbeiter der Firma RBI (heute Heinrich Becker GmbH) den Schacht "Sterkrade 1" vollständig mit Beton.

Bis zum Ende des ersten Quartals 1995 macht dieselbe Firma alle nicht mehr benutzten Gebäude dem Erdboden gleich. Nur der Schacht "Sterkrade 2" sowie der Lüfter bleiben bis Dezember in Betrieb.
Genau wie für die Osterfelder Schächte genehmigt die Bergbehörde auch für den Schacht "Sterkrade 2" eine Teilverfüllung. Die Arbeiten beginnen im Januar 1996.

Weil im ehemaligen Osterfelder Grubenfeld nur noch ein Abbaubetrieb läuft, legt die Werksleitung den Kauenbetrieb am 31. März 1998 still. Die Belegschaft zieht sich auf Lohberg um und pendelt mit Bussen zwischen Lohberg und dem "Nordschacht" hin und her.
Zwei Monate später, am 31. Mai 1998, erreicht das Revier die Abbaugrenze. Damit endet nach 145 Jahren die Gewinnung von Steinkohle unter dem Oberhausener Stadtgebiet.
Die folgenden Gebäude des Bergwerks Osterfeld stehen unter Denkmalschutz:

Das Pförtnerhaus, die Mischhalle, das Fördergerüst "Osterfeld 3", das Verwaltungsgebäude, der Förderturm "Osterfeld 4" und das Dreistrebengerüst "Sterkrade 1" sowie die zugehörige Schachthalle.
Leider fehlt augenblicklich sowohl für die Gebäude am Schacht 4 als auch für die Schachthalle in Sterkrade das Geld, um die Denkmäler vor dem Verfall zu bewahren.

(c) Fritz Pamp

   

Suche  

   

Aktuelle Termine  

Sa 02. Jul 2022; 10:00 - 13:00
Play it! Brettspiele
So 03. Jul 2022; 11:00 -
Sonntags - Matinee
So 03. Jul 2022; 14:30 -
St. Antony-Hütte
Do 07. Jul 2022; 10:00 - 13:00
Kreativ mit 3D-Pens
   

Terminkalender  

Juli 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
27 28 29 30 1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31
   
Copyright © 2022 Osterfelder Bürgerring e.V.. Alle Rechte vorbehalten.
© www.oberhausen-osterfeld.de

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.