Der Steinkohlenbergbau der Gutehoffnungshütte in Oberhausen

Die Zeche Osterfeld

Die Entwicklung des Bergwerks bis 1974

Nach dem Verbund mit der Zeche Sterkrade im Jahre 1933 stehen der Zeche Osterfeld die Schächte "Osterfeld 1", "Osterfeld 2" und "Osterfeld 3" als Förderschächte sowie die Schächte "Osterfeld 4", "Sterkrade 1", "Sterkrade 2" und "Hugo" für die Wetterführung, die Seilfahrt und den Materialtransport zur Verfügung.

Moderne Technik ermöglicht in den sieben verbliebenen Abbaubetrieben eine Betriebspunktförderung von 560 t je Tag. Die Kohlen werden mit Abbauhämmern gelöst und über Schüttelrutschen und Stahlgliederbänder – seltener auch über Gummigurtförderer – zur Ladestelle transportiert. In Betrieben mit härterer Kohle unterstützt eine Schrämmaschine die Gewinnungsarbeit mit dem Abbauhammer.

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Bild 12: Kohlengewinnung mit dem Abbauhammer Bild 13: Eine Kettenschrämmaschine im Einsatz
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Bild 14: Eine Strecke mit Stahlgliederband

Bis 1937 erholt sich die Wirtschaft in Deutschland wieder, weil das NS-Regime von der Montanindustrie eine erhebliche Steigerung der Produktion verlangt. Diese Forderung kann der Steinkohlenbergbau bei dem damaligen Stand der Technik nur mit mehr Arbeitskräften erfüllen; diese stehen jedoch auf dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Als Folge davon tritt am 1. April 1939 die "Göring-Verordnung" in Kraft: sie verlängert die Arbeitszeiten auf 8 ¾ Stunden unter Tage und 9 ¾ Stunden über Tage. Darüber hinaus schränkt sie den Arbeitsplatzwechsel erheblich ein.

Auch die Zeche Osterfeld kämpft mit dem Leutemangel. Die Belegschaftszahlen steigen in dieser Zeit zwar stetig an, es gelingt aber nicht, alle freien Stellen zu besetzen. Als im September 1939 die Wehrpflichtigen zu den Waffen gerufen werden, stellt die Werksleitung "Unabkömmlichkeits-Anträge" (UK-Anträge) und hält so wenigstens in den ersten Kriegsmonaten die Belegschaftseinbußen in Grenzen. Am Jahresende weist Osterfeld eine Förderung von 2,5 Mill. t aus.Im Laufe des Krieges ändern sich jedoch die Prioritäten. Die Behörden lehnen die Uk-Anträge in der Regel ab. Die durch die Einberufungen zum Wehrdienst entstehenden Lücken in der Stammbelegschaft füllen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene nur unvollkommen aus. Versuche, die Arbeitsergebnisse dieser nicht ausreichend ernährten Neubergleute durch Kostzulagen und Zigarettenzuteilungen zu verbessern, zeitigen nur mäßige Erfolge. Deshalb stellen die Zechen diese Aktionen nach einiger Zeit wieder ein.Obwohl zusätzlich zur verlängerten Schichtzeit an mehreren Sonn- und Feiertagen "Panzerschichten" verfahren werden müssen, zeigt die Fördermenge bei steigendem Ausländeranteil (Ende 1944 über 60%) eine fallende Tendenz.  Zusätzlich richten die alliierten Luftangriffe auf der Zeche Osterfeld große Schäden an. Am 26. März 1944 zerreißt ein Bombentreffer die Förderseile am Schacht 3. Die abstürzenden Förderkörbe zertrümmern den Schachtausbau und die Einbauten. Die umfangreichen Reparaturen dauern bis Mai 1944. Kaum ein halbes Jahr später, am 30. November 1944, trifft es die Zeche Osterfeld noch schwerer: mehrere Bomben machen das Schachtgerüst über dem Schacht 3 und das Fördermaschinengebäude einschließlich Fördermaschinen und Grubenlüfterdem Erdboden gleich. An einen Wiederaufbau ist dieses Mal nicht zu denken.

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Bild 15: Der zerstörte Schacht "Osterfeld 3" Bild 16: Ein GI verschenkt ein Stück Schokolade

Am 24. März 1945 legt ein Bombentreffer das Kraftwerk Sterkrade und damit die Energieversorgung der Zeche Osterfeld lahm. Der Betrieb kommt zum Erliegen.

Eine Woche später, am 30. März 1945, besetzen amerikanische Truppen Osterfeld und beenden damit den Krieg. Die Spuren, die er auf der Zeche Osterfeld hinterlassen hat, sind nicht zu übersehen: Neben dem völlig zerstörten Schacht 3 weisen fast alle Betriebsgebäude mehr oder weniger starke Beschädigungen auf. Für die Förderung steht nur der Schacht 1 mit einer Kapazität von 1 500 t je Tag zur Verfügung.Die folgenden Monate vergehen mit den nötigen Aufräumungs- und Reparaturarbeiten. Als dann auch die Energieversorgung wenigstens notdürftig wiederhergestellt ist, kommen am 28. Juni 1945 die ersten Kohlen zutage. Die Fördermenge steigt nur sehr langsam an. Im November erreicht sie unter anderem wegen des akuten Belegschaftsmangels nur 300 Tonnen je Tag.
Viele Familienväter melden sich nämlich nicht zur Arbeit, sondern sorgen auf Hamsterfahrten für Nahrungsmittel, um ihren Angehörigen das Überleben zu ermöglichen. Daran können auch die Engländer nichts ändern, die im Dezember die Zeche besetzen. Sie streben zwar mit der Übernahme eine schnelle Steigerung der Produktion an, müssen aber bald einsehen, dass sie von einer überalterten und schlecht ernährten Belegschaft keine Höchstleistungen erwarten dürfen.

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Bild 17: Auf Hamsterfahrt

Die ebenfalls schwer beschädigte Kokerei produziert wieder ab November 1945. Im Laufe des Jahres 1945 erreicht die Belegschaft der Zeche Osterfeld nur sehr zögernd eine Stärke von 3.500 Mann. Im Oktober heben die Briten die Göring-Verordnung auf und führen die Achtstundenschicht wieder ein. Die Förderung liegt mit 390.000 Tonnen in der Größenordnung von 1892.Ab Januar 1946 steht auch der Schacht 2 wieder für die Förderung zur Verfügung. In diesem Jahr leidet die Anlage weiterhin neben dem chronischen Belegschafts- und Materialmangel unter den vielen Fehlschichten. Diese werden wegen der anhaltend schwierigen Ernährungslage weiterhin zur Nahrungsmittelbeschaffung benutzt. Daneben führt der schlechte Gesundheitszustand der Belegschaft zu einem hohen Krankenstand. Trotzdem kann man einen Aufwärtstrend erkennen: am Jahresende weist die Zeche eine Förderung von 600.000 Tonnen aus.Dank der Bemühungen der britischen Militärregierung, neben den Ostflüchtlingen zunächst aus ihren Kriegsgefangenenlagern und dann aus ihrer Besatzungszone Neubergleute in das Ruhrgebiet zu "locken", erholen sich auch die Belegschaftszahlen auf der Zeche Osterfeld. Sie steigen über 5.300 Mann 1947 auf 5.700 Mann Ende des Jahres 1948. Gleichzeitig erreicht die Förderung wieder 850.000 t je Jahr.Der Materialmangel erlaubt nur die notwendigsten  Reparaturen; die  Anschaffung neuer Geräte oder Maschinen ist unmöglich. Selbst der dringend erforderliche Wiederaufbau des zerstörten Schachtes "Osterfeld 3" verzögert sich bis nach der Währungsreform. Er geht – bis zur 5. Sohle tiefergeteuft – im Mai 1950 mit dem Namen "Paul-Reusch-Schacht" als einziehender Förderschacht in Betrieb. Gleichzeitig übernimmt der Schacht "Osterfeld 4" mit einem neuen Lüfter einen Teil der Abwetter des Bergwerks.

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Bild 18: Der Paul-Reusch-Schacht

Im Zuge der Zerschlagung der deutschen Montangesellschaften nach dem Gesetz Nr. 27 der "Alliierten Hohen Kommission für Deutschland" werden die Zechen Jacobi, Osterfeld und Franz Haniel aus dem GHH-Konzern ausgegliedert und am 28. Mai 1952 in die neugegründete Bergbau AG Neue Hoffnung übergeführt.Dieser Zustand dauert nur 5 Jahre, denn 1957 kommt die Kohle wieder zum Stahl zurück, weil die Hüttenwerk Oberhausen AG (HOAG), 1951 ebenfalls aus der GHH "entflochten", das Aktienpaket der BAG Neue Hoffnung erwirbt. Aber erst am 1. Dezember 1959 übernimmt die Tochtergesellschaft Hüttenwerk Oberhausen AG Bergbau die Betriebsführung der Bergwerke.Im Streb ermöglichen Reibungsstempel und Stahlkappen eine "stempelfreie Abbaufront", das heißt, bei geeignetem Hangenden fällt die Stempelreihe am Kohlenstoß weg. Die Vorteile des stempelfreien Kohlenstoßes zeigen sich besonders deutlich, als 1949 der erste "Panzerförderer" (Anm.: Panzerförderer = kräftiger Stegkettenförderer) im Streb eingesetzt wird. Er kann wegen seiner mechanischen Festigkeit in einem Stück in das neue Feld geschoben  werden und bildet so die Voraussetzung für eine Vollmechanisierung der Kohlengewinnung.Diese läßt nicht solange auf sich warten. Denn schon 1951 kommt mit dem "Löbbe Hobel" eine Maschine zum Einsatz, die die Kohle nicht nur lösen, sondern auch in den Förderer laden kann. Dafür verlangt die Hobelanlage aber auch bei einem 200 Meter langen Streb die für damalige Verhältnisse gigantische Antriebsleistung von 160 kW!

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Bild 19: Blick in einen Hobelstreb der 1950er Jahre. Der mit Meißeln bestückte Hobelkörper wird an einer endlosen Kette am Kohlenstoß entlang gezogen und schält dabei die Kohle aus dem Flöz. Als Führung dient ein Zweiketten-Stegförderer, auf diesem Bild ein Panzerförderer der Firma Westfalia Lünen. Bild 20: Eine elektrische Kettenschrämmaschine. Die Maschine benutzt den Förderer als Gleitbahn. Reibungsstempel und Kappen sind Erzeugnisse der GHH

Die Zeche Osterfeld setzt jedoch bis in die 1960er Jahre hinein in der Gewinnung überwiegend Schrämmaschinen und Abbauhämmer ein. In dieser Zeit erreicht sie auch ihr Belegschaftsmaximum: 1957 fördern hier fast 8.500 Mitarbeiter 2,1 Mill. t Kohle und produzieren 1,3 Mill. t Koks.

1958 verdrängt ein Panzerförderer die letzte Schüttelrutsche aus dem Streb, und ab 1965 kommt die gesamte Förderung aus Hobelbetrieben. Im Jahre 1954 übernimmt das neue Kraftwerk die Dampfversorgung der Zeche und der Kokerei. Das alte Kesselhaus hat ausgedient und fällt später der Spitzhacke zum Opfer. Auf dem freigeräumten Gelände entstehen die neue Mannschaftskaue und das Magazin.

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Bild 21: Das Bergwerk Osterfeld mit der Kokerei Bild 22: Ein Blick vom Zechenplatz auf das Kraftwerk mit dem 125 m hohen Kamin. Außerdem sieht man links einen von drei Kühltürmen und das Pförtnerhaus.

Die Fördereinrichtungen im Schacht "Osterfeld 1" genügen immer weniger den Anforderungen, die die steigende Produktion an sie stellt. Deshalb entschließen sich die Verantwortlichen in der Mitte der 1950er Jahre, den Schacht gründlich zu modernisieren und gleichzeitig bis zur 5. Sohle teufen zu lassen. Das bedeutet aber auch, dass er während der Umbauzeit nicht zur Verfügung steht. Ab September 1956 übernimmt der Schacht "Osterfeld 4" einen großen Teil der Seilfahrt und die Materialversorgung für die südlichen Abbaubetriebe.Der Umbau beginnt im September 1957. Sicherheitsbühnen erlauben es, dass alle Aktivitäten parallel ablaufen können. Deshalb geht der moderne Förderschacht schon im Mai 1959 wieder in Betrieb. Gleichzeitig erhält der Schacht "Osterfeld 1" und damit das ganze Bergwerk ein neues Gesicht. Das Strebengerüst wird durch einen 72 m hohen, mit eloxierten Aluminiumblechen verkleideten Turm ersetzt, und eine 4,4 MW starke elektrische Turmfördermaschine löst die beiden altehrwürdigen Dampfmaschinen ab. Als weitere Neuerung rauschen anstelle der vier alten Förderkörbe zwei 20 Tonnen fassende Gefäße mit einer Geschwindigkeit von 15 m/s – das entspricht 54 km/h – durch den Schacht. Ab Februar 1983 erhöhen sich Nutzlast und Fördergeschwindigkeit auf 23 t bzw. 20 m/s, weil ein neuer Fördermotor 5,8 MW leistet.

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Bild 23: Der mit eloxierten Aluminiumblechen verkleidete Förderturm Bild 24: Die Vierseil-Turmfördermaschine

Um den Stahlwerken Koks in der gewünschten Qualität liefern zu können, braucht die Kokerei eine bestimmte Kohlenqualität, die die Zeche aber wegen der zur Mischung benötigten Kohlenarten nur bereitstellen kann, wenn sie den Abbau nach Norden verlagert. Bei der Planung durchgeführte Berechnungen ergeben, dass sich mögliche Probleme in der Bewetterung mit einem neuen Schacht im nördlichen Teil des Grubenfeldes vermeiden lassen. Deshalb fällt die Entscheidung, in Schmachtendorf den "Nordschacht" mit 7,3 m Durchmesser nach dem Gefrierverfahren niederzubringen. Die Arbeiten beginnen im April 1963, und schon im Januar 1967 erreicht der Grubenbau seine vorläufige Endteufe von 1 020 m.

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Bild 25: Der Nordschacht

Der Schacht "Osterfeld 2" hat 1968 ausgedient. Er wird verfüllt und nur wenig später macht eine Abbruchfirma Schachtgerüst und Schachthalle dem Erdboden gleich.

Um notwendige Betriebsstillegungen besser koordinieren zu können, gründen 26 Bergwerksgesellschaften ebenfalls 1968 die Ruhrkohle AG (RAG).
Im ersten Betriebsjahr 1970 fördern sieben Betriebsführungsgesellschaften mit insgesamt 52 Bergwerken und 186.000 Beschäftigten "im Namen und für Rechnung der Ruhrkohle AG" jährlich 85 Mill. Tonnen Kohle und 29 Kokereien erzeugen 26 Mill. Tonnen Koks. Die Zechen des ehemaligen HOAG-Bergbaus – Osterfeld und Jacobi/Franz Haniel – gehören zur Bergbau AG Oberhausen.
Diese Gesellschaft setzt für ihre Schachtanlagen neue Ziele. Das Bergwerk Osterfeld soll täglich 10.500 t Kokskohle vornehmlich zur Versorgung der angeschlossenen Kokerei fördern. Um diese Vorgabe erreichen zu können, faßt die Werksleitung den Entschluß, den Abbau komplett in das geologisch günstigere Nordfeld zu verlegen und die verbliebenen Vorräte südlich der Sterkrader Schächte aufzugeben. Dieser "Umzug" dauert bis Mitte 1973. Dann kann das "Südfeld" zur Teilstillegung angemeldet werden.

(c) Fritz Pamp

   

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