Der Steinkohlenbergbau der Gutehoffnungshütte in Oberhausen

Die Zeche Jacobi

Der Tagesbetrieb

Von den geplanten Hochbauten wird 1920 als letztes Gebäude das Fördermaschinenhaus für den Schacht 1 fertiggestellt und anschließend der Zechenplatz gärtnerisch gestaltet. Außerdem erreicht die maschinentechnische Ausrüstung des Tagesbetriebes ihre vorläufige Endausbaustufe.
Am Schacht 2 bewältigen zwei Dampffördermaschinen alle anfallenden Aufgaben. Die Trommelmaschine 1 hebt im linken (südwestlichen) Trum von der 2. Sohle stündlich bis zu 150 Tonnen, während die zur 1. Sohle eingebundene Koepe-Förderung 2 im rechten (nordöstlichen) Trum eine Kapazität von 90 t/h aufweist. Auf den 4 Etagen der südwestlichen Körbe finden jeweils 2 Wagen nebeneinander Platz, die Körbe der nordöstlichen Förderung sind genau so breit, haben aber nur 2 Tragböden.

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Bild 70: Eine Trommel-Fördermaschine. Bei dieser Art der Schachtförderung werden die Förderseile auf der einen Trommelhälfte auf- und auf der anderen abgespult. Bild 71: Eine Fördermaschine mit Koepescheibe. Das Koepe-Prinzip nutzt nur die Reibung zwischen Seil und Treibscheibe zur Kraftübertragung.

Die Konstrukteure der GHH legen das Fördergerüst statisch für eine maximale Teufe von 850 m aus. Wann man die Fördermaschinen an die steigenden Anforderungen angepasst hat, geht aus den bearbeiteten Unterlagen nicht hervor. Es steht jedoch fest, dass letztlich alle vier Fördermaschinen der Zeche Jacobi zwischen 3000 PS und 4600 PS leisten und nach dem Koepe-Prinzip arbeiten.

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Bild 72: Die Tagesanlagen der Zeche Jacobi 1961

In der Maschinenhalle stehen zwei elektrisch angetriebene Grubenlüfter mit je 10000 m3/min und für die Versorgung der Lokomotiven unter Tage zwei Hochdruckkompressoren, die Druckluft von 230 bar erzeugen. Zwei Kolbenkompressoren und ein Turboverdichter liefern Druckluft von 6 bar zum Antrieb der Arbeitsmaschinen in der Grube. Der benötigte Dampf kommt aus 21 Flammrohrkesseln, deren Abgase über zwei Kamine abgeleitet werden.

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Bild 73: Ein Grubenlüfter Bild 74: Im Kesselhaus ist Handarbeit gefragt.

Die Zeche betreibt kein eigenes Kraftwerk, sie bezieht die elektrische Energie aus dem Verbundnetz der GHH, dem 1906 errichteten Ringnetz.
Ein 1000 m3 fassender, unterirdischer Wasserbehälter und ein weithin sichtbarer Kugel-Hochbehälter mit 450 m3 Inhalt überbrücken mit ihren Vorräten Störungen in der Wasserversorgung. Die Kugel trägt in mehr als 50 m Höhe den Namenszug der Schachtanlage und das Logo der GHH.

ZecheJacobi 075 Im Tagesbetrieb sieht man auf dem Platz auch später fast keine Rohrleitung.
Dazu schreibt Direktor Hermann Kellermann in einem Artikel in der Zeitschrift "Glückauf", der 1922 erschien:
"Die Leitungen für Frischdampf, Abdampf und Druckluft liegen zwischen der Maschinenhalle und den Fördermaschinengebäuden in einem unterirdischen Rohrkanal von 4 m Breite und 3,5 m Höhe, in dem auch die elektrischen Kabel untergebracht sind. Dank dieser durchaus bewährten Maßnahme ist der Zechenplatz von den unschön wirkenden Rohrleitungen und besonders den stets Schmutz bringenden Auspuffleitungen der Fördermaschinen freigeblieben, die man an eine weniger ins Auge fallende Stelle zwischen Kesselhaus und Maschinenhaus verlegt hat. An die dahin führende Abdampfleitung sind sämtliche Auspuffmaschinen angeschlossen. Eine nachteilige Erwärmung der Kabel in dem stets warmen Rohrkanal ist bisher nicht beobachtet worden. Die Anlegung des Kanals ergab sich übrigens, abgesehen von schönheitlichen Gesichtspunkten, von selbst auf Grund der günstigen Bodenverhältnisse. Die oberen Schichten bestehen in etwa 6 m Mächtigkeit aus wasserfreiem Kies und Sand, die ohne weiteres zu Betonierungszwecken verwandt werden konnten."
Bild 75: 1912 ist der Hochbehälter im Bau.
1937 zeichnet sich eine Erweiterung der übertägigen Anlagen ab, weil die Zeche die Planungswerte mit einer Tagesförderung von 5500 Tonnen erstmals erreicht. Damit kommt der Schacht 2 an seine Kapazitätsgrenze und die Aufnahme der Förderung im Schacht 1 lässt sich nicht länger verschieben. Das Werk Sterkrade der GHH liefert und montiert das 50 m hohe Schachtgerüst und eine 3600 PS starke Dampffördermaschine mit Koepescheibe. Im August 1939 geht die neue Gestellförderung – nach dem aktuellen Sicherheitsstandard mit einer Fördermaschinen-Sperreinrichtung und einer Schachttorüberwachung ausgerüstet – in Betrieb. Der Bau der zweiten Anlage ist wieder einmal einem bevorstehenden Krieg zum Opfer gefallen.
Den zusätzlich benötigten Dampf liefert ein neues Kesselhaus mit zwei Wanderrostkesseln und eine 25 kV Freileitung sichert die elektrische Energieversorgung ab.
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Bild 76: Der Zechenplatz 1938. Es sind keine Rohrleitungen zu sehen.
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Bild 77: Im modernen Kesselhaus ist der Betrieb weitgehend mechanisiert. Bild 78: Werksfürsorge und Bücherei

1952 errichtet die Bergbau AG Neue Hoffnung neben dem Verwaltungsgebäude 2 auf einem Luftschutzbunker, der als Kellergeschoß dient, einen Neubau für die Werksfürsorge und die Werksbücherei.

Die Fürsorgerinnen beraten in ihren Sprechstunden vor allem die Frauen der Belegschaftsmitglieder. Sie führen den Haushalt, wenn die Hausfrau krank ist und in der Familie keine Hilfe zur Verfügung steht; sie bieten Nähkurse an und organisieren bei Bedarf eine Ferienbetreuung der Kinder, um nur einige Aufgaben zu nennen.
In der Bücherei kann die Belegschaft kostenlos Unterhaltungsliteratur, aber auch Fachbücher ausleihen. Nach der Stilllegung fertigt eine Firma in den Räumen bis 1994 Damenoberbekleidung. Ein Jahr später wird das Haus nach einem Brand recht mühsam abgerissen. Die mit Eisenbahnschienen bewehrte Kellerdecke leistet nämlich erbitterten Widerstand.

ZecheJacobi 079Bild 79: Die Bücherei ist gut sortiert und bei der Belegschaft sehr beliebt.

Nach dieser Abweichung von der zeitlichen Reihenfolge muss der Chronist die Leser noch einmal in das Jahr 1954 zurückführen, weil in diese Zeit ein wichtiges Ereignis fällt: In ihrer 40jährigen Geschichte verfügt die Zeche erstmals über vier Schachtförderungen, denn im Schacht Jacobi 1 nimmt auf der rechten (nordöstlichen) Seite eine Gestellförderung mit einer am Paul-Reusch-Schacht der Schachtanlage Osterfeld freigewordenen Fördermaschine den Betrieb auf. Der Jahresbericht hält weiter fest:
"Außerdem wurde eine große Schleuse eingebaut, die es ermöglicht, sämtliches Großmaterial zu allen Sohlen zu fördern. Dadurch wurde einmal eine Entlastung des Förderschachtes erreicht und zum anderen das Umladen des für die 4. Sohle und 5. Sohle bestimmten Materials vermieden."

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Bild 80: Das Kraftwerk Franz Haniel noch ohne Kamin (1955) Bild 81: Blick auf die Kokerei 1955. Im Vordergrund die Ferndampfleitung und die Reduzierstation. Die Leitung verläuft parallel zur Bahntrasse Jacobi – Franz Haniel.

Im Januar 1955 geht das neue Kraftwerk Franz Haniel an das Netz und übernimmt gleichzeitig die Dampfversorgung für die Zeche Jacobi.

Die Kesselhäuser stellen planmäßig den Betrieb ein, sie müssen aber am 31. Januar bis zum 2. März wieder angefahren werden, weil das Kraftwerk wegen eines Kabelbrandes ausfällt. Ein Jahr später entschließt man sich doch, die Kesselhäuser abzureißen.

ZecheJacobi 082 Aber nicht nur auf Jacobi verändert sich 1956 das Erscheinungsbild, sondern auch auf Vondern. Hier verschwindet beim Bau des neuen Grubenlüfters das Schachtgerüst über dem Schacht Vondern 1, weil der Grubenbau nur noch der Wetterführung dient. Das bisherige Bewetterungskonzept passt nicht mehr, als Anfang der 1960er Jahre in den Führungsetagen über den Verbund der Schachtanlagen Jacobi und Franz Haniel nachgedacht wird.

Die neue Planung sieht einen weiteren Lüfter auf Jacobi und die Stilllegung der Vondern-Schächte vor. Der Jacobi-Lüfter nimmt noch vor der Zusammenlegung am 9. Februar 1964 den Betrieb auf.

Bild 82: Der Zechenplatz mit dem Diffusor des neuen Lüfters 1964

Damit werden die Tagesanlagen auf der Zeche Vondern nicht mehr benötigt.

 

Die Aufbereitung

Die Aufbereitung oder Wäsche stellt aus der Rohförderung marktgerechte Produkte her. Um diese auch auf die Eisenbahn verladen zu können, bekommt der Zechenbahnhof sieben zusätzliche Gleise. Im Anschluss an diese Arbeiten geht die Aufbereitung im August 1914 in Betrieb. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die geförderte Kohle in der Lesehalle nur von den groben Bergen und Fremdkörpern befreit, bevor sie in den Verkauf geht.

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Bild 83: Der Bahnhof der Zeche Jacobi Bild 84: Die Setzmaschinenbühne 1952

In der Aufbereitung trennen Setzmaschinen die zerkleinerte Förderkohle in einem durch Druckluftimpulse bewegten Wasserbad in Reinkohle, Mittelgut und Berge. Wenn der Salz- oder der Feststoffgehalt des "Waschwassers" auf unzulässige Werte steigt, wird ein Teilstrom aus dem Kreislauf abgezweigt und über vier parallelgeschaltete Klärteiche geleitet, bevor er in die Kanalisation fließt. In den Klärteichen setzt sich die Schlammkohle ab, die man getrocknet im Kesselhaus als Heizmaterial nutzt.

Nach 1918 dient das geklärte Wasser zum Löschen des Kokses.
Bei 20 Stunden Waschzeit pro Tag reicht die Kapazität der Aufbereitung bezogen auf das damalige Ausbringen von 80% für 4000 t verwertbare Förderung. Es gelingt zunächst noch, die steigende Rohkohlenmenge und die Kapazität der Wäsche ohne große Umbauten durch technische Maßnahmen in Einklang zu bringen. 1938 verändert sich allerdings das äußere Erscheinungsbild der Anlage durch den Neubau einer Mischanlage, die an der westlichen Stirnseite gut sichtbar das Baujahr und das Firmenlogo der GHH zeigt.
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Bild 85: Die neue Mischanlage

Es gibt aber auch zunehmend Probleme mit der veränderten Zusammensetzung der Rohkohle. Durch die Mechanisierung der Kohlengewinnung und die Staubbekämpfung in den Abbaubetrieben steigen neben dem Berge- auch der Feinkorn- und Wassergehalt stetig an. Als Folge davon kommen nicht nur die Betriebsmittel zur Waschwasserklärung und zur Kokskohlenentwässerung immer näher an ihre Kapazitätsgrenzen heran. Schließlich lässt sich 1950 eine grundlegende Erneuerung und Erweiterung der beiden Aufbereitungssysteme nicht mehr umgehen. Diese Arbeiten dauern zwei Jahre.
Durch den Umbau kann die Wäsche zunächst insgesamt 500 t/h Rohkohle verarbeiten, später erhöht sich der Durchsatz nach weiteren Optimierungen auf rund 650 t/h. Moderne Kläreinrichtungen befreien das Waschwasser von dem Schlamm, der in der nachfolgenden Flotation in seine Bestandteile Kohle und Berge getrennt wird.
Sehr vereinfacht ausgedrückt, läuft der Betrieb in der neuen Anlage folgendermaßen ab:

ZecheJacobi 086Bild 86: Wäschestammbaum

Die Rohwaschkohle kommt mit einer Körnung bis 120 mm über zwei Gummigurtförderer in die Vorklassierung. Hier erfolgt eine Trennung in Grobkorn mit 120 mm bis 10 mm und Feinkorn unter 10 mm Korngröße, die separat weiterverarbeitet werden.
Die Grobkornsetzmaschine sortiert das gröbere Gut in Nußkohle, Grobzwischengut und Berge. Die Nußkohle schwimmt zu den Nußklassiersieben und rutscht in 5 Kornklassen abgesiebt in die entsprechenden Bunker. Wenn der Nußkohlenanfall den Absatz übertrifft, gestattet eine Brecheranlage jede Nußsorte auf Feinkohlengröße zu zerkleinern.
Das in Sichtern vom Staub befreite Feinkorn wird entsprechend in der Feinkornsetzmaschine in Feinkohle, Feinzwischengut und Berge aufgeteilt. Nach der Entwässerung und Mischung mit Feinstkohle aus der Flotation – bei Bedarf auch mit Sichterstaub – steht die Feinkohle als Kokskohle für die eigene Kokerei zur Verfügung.
Das Zwischengut durchläuft einen Brecher und die Nachwaschsetzmaschine. Die hier ausgewaschene Kohle wird der Nußkohle vor dem Sieben beigemischt, das Mittelgut in den Kraftwerken Franz Haniel, Osterfeld und Sterkrade eingesetzt.
Weil die Waschberge im Laufe der Jahre immer seltener in der Grube als Versatz Verwendung finden, transportiert man sie, von kleinen Mengen für den Straßen- oder Deichbau abgesehen, ab 1964 ausschließlich auf die Halde Haniel.

Der beschriebene Ausbauzustand bleibt bis zur Stilllegung 1974 unverändert.

(c) Fritz Pamp

   

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