Der Steinkohlenbergbau der Gutehoffnungshütte in Oberhausen

Die Zeche Jacobi

Ihre Entwicklung bis zur Auffahrung der Teilsohle nach Osten 1967

Bis 1959 verlagert sich die Kohlengewinnung immer mehr in die Teufe. Deshalb beschließt die HOAG im Schacht Jacobi 1 von der 5. Sohle, der zukünftigen Hauptfördersohle, eine Gefäß- oder Skipförderung einzurichten.
Nach den üblichen Vorbereitungsarbeiten werden aus Termingründen ab Mitte 1960 folgende Projekte gleichzeitig in Angriff genommen: die Errichtung der neuen Schachthalle über dem in Betrieb befindlichen alten Gebäude, der Einbau der Stahlspurlatten sowie auf der 5. Sohle die Teufarbeiten für den 1000 t fassenden Rohkohlenbunker und das Rieselkohlengesenk. Außerdem beginnt hier die Montage der benötigten Kipp- und Belade-Einrichtungen.

ZecheJacobi 055Bild 55: Der Umbau des Schachtes Jacobi 1. Die neue Schachthalle wird über dem in Betrieb befindlichen alten Gebäude errichtet.

Am 22. August 1961 geht die neue Skipanlage in Betrieb.

Ein Messband zieht die für eine Gefäßfüllung erforderliche Menge aus dem Bunker ab und transportiert sie zu den Fülltaschen. Die 13 m hohen Gefäße fassen 12 t und gleiten mit 18 m/s rollengeführt durch den Schacht. Ausgeklügelte Relaissteuerungen automatisieren die Beladung und die Entladung.
In der Abzugsstrecke wird die beim Füllvorgang neben das Gefäß laufende Kohle in Wagen geladen und im Rieselkohlengesenk wieder zur 5. Sohle gehoben. Schon damals arbeitet der Förderhaspel, ebenfalls in der bewährten "Klappertechnik" ohne Elektronik, automatisch. Bevor sich die jungen, durch speicherprogrammierbare Steuerungen verwöhnten Energieelektroniker, Fachrichtung Betriebstechnik nun ehrfürchtig vor den Alten verneigen, gesteht der Chronist, dass es sich sowohl bei der Schachtbeschickung als auch bei der Haspelsteuerung um nicht schlagwettergeschützte Anlagen handelt. Diese Tatsache macht zwar die Problemlösung leichter, aber nicht leicht.

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Bild 56: Die Schachtanlage Jacobi von der Teutoburger Straße gesehen  Bild 57: Der Schacht 1 nach dem Umbau. Das Franz-Haniel-Denkmal steht heute vor der St. Antony-Hütte.

Seit Inbetriebnahme der Gefäßförderung verfügt die Schachtanlage mit den übrigen drei Gestellförderungen zu je 8 t Nutzlast über eine Gesamtkapazität von 16000 t Rohförderung je Tag. Das entspricht bei einem durchschnittlichen Bergegehalt von 30% einer verwertbaren Förderung von rund 11.000 Tonnen.
Akkulokomotiven und 3.000 l-Wagen übernehmen auf der neuen Sohle die Hauptstreckenförderung. In dem modernen mit einem verfahrbaren Drehkran ausgerüsteten Lokschuppen werden die Batterien geladen und die Maschinen gewartet und repariert. Der Förderaufseher kann über Funk jeden Lokführer erreichen und so für einen reibungslosen Fahrbetrieb sorgen.

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Bild 58: Eine Akkulokomotive Bild 59: Der Lokschuppen auf der 5.Sohle

Die Druckluftlokomotiven, die fast 40 Jahre lang ihren Dienst taten, werden 1962 ausgemustert; seitdem kommen auf der 3. und der 4. Sohle nur noch Dieselloks zum Einsatz.

Auf der 2. Sohle gibt es keinen regelmäßigen Lokbetrieb mehr. Für gelegentliche Einsätze können zwei kleine Akkuloks – Troll genannt – problemlos im Schacht transportiert werden.

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Bild 60: Ein Kohlenzug mit einer Diesellok Bild 61: Eine Akkulok Bauart "Troll"

Ab Ende 1964 ermöglichen auf der Zeche entwickelte Maschinen, die ankommenden Kohlenzüge selbsttätig zu entkuppeln und die Wagen nach dem Kippen auch wieder zu Leerzügen zusammenzustellen. Die gesamte Beschickung auf der 5. Sohle läuft seitdem ebenso automatisch ab wie die Entladung über Tage. Nur die Dampffördermaschine erfordert, wie auf anderen Zechen, auch weiterhin für den Betrieb einen Maschinisten. Es besteht außerdem die Möglichkeit, aus zwei Gleisen die Wagen mit den unterschiedlichen Kohlenarten vor dem Kreiselkipper im beliebigen Verhältnis zu mischen, um eine brauchbare Kokskohle zu erhalten. Bei Bedarf kann man später auch die Hanielkohle über den geteilten Bunker getrennt fördern.

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Bild 62: Der Steuerstand der Skipanlage auf der 5. Sohle Bild 63: Die Ladestelle am Blindschacht 5-7-5

1964 laufen die Vorbereitungsarbeiten für den Verbund mit der Nachbarzeche Franz Haniel auf vollen Touren. Der Blindschacht 5-7-5 wird als zukünftige Förderverbindung zwischen der 3. Sohle Franz Haniel und der 5. Sohle Jacobi mit einer Wendelrutsche sowie einer Ladestelle ausgerüstet.

Das Bergwerk Jacobi beschäftigt im letzten Jahr vor der Zusammenlegung 2.800 Personen und fördert mehr als 1 Million Tonnen. Die Streben werden mit hydraulischen Einzelstempeln ausgebaut; auf der Versatzseite hat sich der Bruchbau durchgesetzt.

Am 1. Januar 1965 hebt die Hüttenwerk Oberhausen AG das Verbundbergwerk Jacobi/Franz Haniel aus der Taufe. Das Grubenfeld der Anlage liegt unter den Städten Oberhausen und Bottrop.

ZecheJacobi 064 Jacobi und Franz Haniel bleiben zunächst bis zur Betriebsführer-Ebene selbständig. Der eigentliche "Verbund" beginnt erst bei der Werksleitung.
Das Ziel, beide Abteilungen wenigstens auf technischem Gebiet "gleichzuschalten", lässt sich erfahrungsgemäß nur erreichen, wenn Entscheidungen auf den Gebieten der Maschinentechnik und der Elektrotechnik jeweils in einer Hand liegen. Deshalb gibt es ab 1969 auf dem Verbundbergwerk neben zwei Grubenbetriebsführern nur noch einen Leiter des Maschinenbetriebes und einen Leiter des Elektrobetriebes.
Die Betriebsabteilungen sind auf der 2. Sohle, der 3. Sohle und der 5. Sohle miteinander verbunden. Außerdem gibt es einen Frischwetteranschluss an den Nordschacht des Bergwerks Osterfeld.
Förderstandort mit Aufbereitung ist der Tagesbetrieb Jacobi. Nur die im Kraftwerk Franz Haniel eingesetzten Kohlen werden im Schacht Franz Haniel 2 gehoben.
Die Betriebsabteilung Jacobi baut weiterhin Gaskohle und Fettkohle ab, während Franz Haniel Flammkohle, Gasflammkohle und Gaskohle fördert. Die Abbaubetriebspunkte liegen auf Jacobi zwischen der 3. und der 5. Sohle.
Bild 64: Der Schacht Franz Haniel 2

Auf Franz Haniel ist die 3. Sohle Hauptfördersohle. Die Kohlen werden im Blindschacht 5-7-5 zunächst über eine Wendelrutsche zur 5. Sohle Jacobi und anschließend im Schacht Jacobi 1 zutage gefördert.

Eine zweite Skipanlage im Schacht 1 verdoppelt ab 1968 die Förderkapazität von der 5. Sohle aus. Trotzdem kann das Verbundbergwerk wegen des gestiegenen Bergeanteils maximal nur netto 10.000 Tonnen je Tag fördern.
1965 betreibt die Schachtanlage Jacobi/Franz Haniel 11 Streben mit einer durchschnittlichen Länge von 200 m. Jeder Betrieb liefert täglich im Mittel 750 Tonnen Kohle und rückt dabei mehr als 2 m vor. Die Streckenauffahrung erfolgt konventionell durch Bohr- und Sprengarbeit, für das Laden des Haufwerks stehen Seitenkipplader oder Schrapper und für den Materialtransport seilbetriebene Einschienenhängebahnen zur Verfügung.
Im Juni erreicht das Verbundbergwerk erstmals eine Untertageleistung von 3 t je Mann und Schicht und weist am Ende des ersten Betriebsjahres eine Förderung von 2,44 Mill. t aus. Das bleibt auch bis zur Stilllegung der Zeche die Maximalförderung.
 
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Bild 65: Eine seilbetriebene Einschienenhängebahn

Dieser über mehrere Monate weitgehend störungsfreie Betriebsablauf wird am Nachmittag des 28. Juli 1965 durch einen Grubenwehralarm plötzlich unterbrochen.
Auslöser ist ein Brand in der Bandstrecke des Reviers 11, das in der östlichen Hauptrichtstrecke am Blindschacht 5-5-9 das Flöz Hugo abbaut.
Das Feuer breitet sich rasend schnell in Wetterrichtung über den Blindschacht bis zur 4. Sohle aus. Die Löschversuche der Revierbelegschaft bleiben erfolglos, weil die Dichtungen in den Rohrverbindungen schmelzen und dadurch die Wasserversorgung an der Unglücksstelle ausfällt. Etwa eine Stunde nach dem Alarm übernehmen die ersten beiden Grubenwehrtrupps um 16.30 Uhr die Brandbekämpfung.

ZecheJacobi 066Bild 66: "Vier Stunden nach Ausbruch des Brandes in 750 m tief in der Erde: Vor dem Zechentor, unmittelbar an der Stadtgrenze zwischen Oberhausen und Bottrop, stehen Angehörige von Bergarbeiterfamilien aus den umliegenden Zechensiedlungen. Sie alle beschäftigt die Frage: sind nicht doch mehr als zwei Bergleute eingeschlossen? – Auch um diese Zeit, es ist genau 19.14 Uhr, fahren noch immer Lastwagen mit Steinstaub und Asbest zur Bekämpfung des Feuers auf den Zechenhof."
WAZ vom 29.07.1965

Sofort nach der Unglücksmeldung alarmiert die Grubenwarte den Betrieb nach einem festgelegten Plan. Die Belegschaft erhält den Befehl, die Grube auf genau vorgeschriebenen Wegen zu verlassen. Bei der Ausfahrtkontrolle zeigt sich, dass zwei Bergleute, Erwin Antkowiak und Paul Marek, fehlen. Ein Steiger der Mittagschicht – er ist ausgebildeter Truppführer der Grubenwehr – muss den Versuch, mit zwei Begleitern die Arbeitsstelle der beiden Vermissten Flöz Matthias 2 zu erreichen, abbrechen, weil der Blindschacht 5-5-9 nicht mehr befahrbar ist. Anschließend setzen voll ausgerüstete Grubenwehrtrupps die Suche fort.

Gegen 20.30 Uhr beendet die "Einsatzleitung" die Aktion, weil einerseits ein Mensch unmöglich so lange in Brandgasen überleben kann und andererseits der Einsatz für die Retter immer gefährlicher wird. Dieses aus Vertretern der Bergbehörde, der Hauptstelle für das Grubenrettungswesen und der Werksleitung gebildete Gremium entscheidet nämlich seit 16.15 Uhr über die weiteren Maßnahmen. Weil sie keine andere Möglichkeit sehen, den Brand unter Kontrolle zu bekommen, beschließen die Experten, das Brandfeld zuerst auf der Frischwetterseite und später auch auf der Abwetterseite weiträumig abzudämmen.
Es sind 9 Grubenwehrtrupps, davon zwei der Berufswehr Prosper, mit je 5 Mann im Einsatz, um 8 Branddämme zu bauen. Die 4 Dämme auf der Frischwetterseite werden am Freitag geschlossen. Danach geht die Rauchentwicklung schlagartig zurück.

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Bild 67: Für den schnellen Einsatz steht auf jeder Sohle ein Löschzug mit allen für die Bekämpfung eines Brandes benötigten Geräten und Materialien bereit. Bild 68: Eine Löschkammer unter Tage. Hier lagert der Brandsteiger Reserve-Feuerlöschgeräte und sonstige zur Brandbekämpfung erforderliche Betriebsmittel und Geräte.

Am nächsten Tag unternimmt ein Grubenwehrtrupp nachmittags einen weiteren Versuch, die Toten zu bergen. Er erreicht wegen eines Streckenbruchs und großer Hitze nicht einmal den Blindschacht 5-5-9.
Bis zum folgenden Wochenende werden auch die 4 Dämme auf der Abwetterseite fertiggestellt und geschlossen. Damit liegt fast das halbe Grubenfeld mit drei von fünf Hobelbetrieben hinter den Dämmen. Im Baufeld Franz Haniel steht jedoch ein Abbaubetrieb förderfertig, hier finden 180 "Jacobianer" vorübergehend einen Arbeitsplatz. Im Feld Jacobi arbeiten die verstärkten Vorrichtungs- und Herrichtungskolonnen rund um die Uhr, um so schnell wie möglich vier Ersatzstreben einzurichten.

Am 2. August gibt die HOAG folgende Pressemitteilung heraus:
"Der Grubenbrand auf der Zeche Jacobi befindet sich unter Kontrolle. An eine Bergung der im abgedämmten Bereich liegenden tödlich verunglückten Bergleute ist einstweilen nicht zu denken. Angaben über die Brandursache können noch nicht gemacht werden."

Spätere Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass die Reibungswärme eines schief laufenden Gurtförderers die Katastrophe ausgelöst hat.

Bereits eine Woche nach Ausbruch des Feuers, am 3. August 1965, erlaubt das Bergamt Dinslaken, den Betrieb im nicht abgedämmten Teil des Grubenfeldes wieder aufzunehmen.

In den folgenden Monaten gelingt es der Grubenwehr, die Branddämme auf der Frischwetterseite umzusetzen und so das Brandfeld Zug um Zug zu verkleinern. Schäden an den wieder zugänglichen Grubenbauen und Einrichtungen werden sofort beseitigt.

ZecheJacobi 069Bild 69: Ein Branddamm

Am 16. Mai 1966 ist der ausgebrannte Blindschacht 5-5-9 soweit instandgesetzt, dass ein Trupp der Grubenwehr Jacobi bis zum Flöz Matthias 2 vordringen kann. Hier stößt er auf die Leichen der beiden vermissten Bergleute Antkowiak und Marek. Sie finden auf dem katholischen Friedhof an der Elpenbachstraße ihre letzte Ruhestätte. Paul Marek wird dort am 21. Mai 1966 und Erwin Antkowiak am 25. Mai beigesetzt.

1967 beginnt die Auffahrung einer Teilsohle, um die im Osten unterhalb der 5. Sohle anstehenden Fettkohlenvorräte in den Flözen Hugo bis Ernestine zu erschließen. Die Planung sieht vor, die gesamte Förderung aus der Abteilung mit Gummigurtförderern über einen Gesteinsberg direkt der Skipförderung im Schacht 1 zuzuführen.
Dieser Berg überwindet auf 520 m Länge einen Höhenunterschied von 120 m. Als weitere Verbindungen mit der 5. Sohle sind für die Materialversorgung und die Seilfahrt 2 Blindschächte vorgesehen. Den Transport auf der Teilsohle übernimmt wie auf der 2. Sohle eine "Troll", die auf den Korb des Blindschachtes 6-5-2 passt. Der Batteriewechsel und die Wartungen an der Maschine werden im Lokschuppen auf der 5. Sohle durchgeführt.

(c) Fritz Pamp

   

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