Der Steinkohlenbergbau der Gutehoffnungshütte in Oberhausen

Die Zeche Jacobi

Ihre Entwicklung bis zur Mechanisierung der Kohlengewinnung 1957

Für die Arbeitnehmer anderer Betriebe steht die Lebensmittelbeschaffung 1945 ebenfalls im Vordergrund. Als Folge davon kommt die Wirtschaft nur sehr schleppend in Gang. Der Oberbürgermeister der Stadt Oberhausen ruft am 7. Mai 1945 alle deutschen Arbeiter und Lehrlinge auf, sich an ihren früheren Arbeitsstätten einzufinden. Arbeitnehmer ohne festen Arbeitsplatz sollen sich beim Arbeitsamt melden. Wer sich vor der Arbeit drückt oder keine Bescheinigung des Arbeitsamtes vorweisen kann, erhält keine Lebensmittelkarten. Selbst diese Maßnahme bringt nicht den gewünschten Erfolg, denn die Lebensmittelkarten sind in den ersten Wochen nach Kriegsende wenig wert, weil sie nur selten oder gar nicht beliefert werden.
Die Militärregierung will eine schnelle Steigerung der Produktion der Bergwerke erzwingen, deshalb besetzen britische Soldaten im Dezember auch die Zeche Jacobi. Sie greifen aber nicht direkt in den Betriebsablauf ein.

Der folgende Aktenvermerk der Bergbauverwaltung der GHH vom 11. Juni 1945 verdeutlicht die Situation auf den Zechen Osterfeld und Jacobi sehr eindrucksvoll:
1. Allgemeine Lage
Nebelung (Anm.: Bergassessor Wilhelm Nebelung leitet die Bergbaubetriebe der GHH) gab einen Überblick über die Lage im Ruhrbergbau.
Tägliche Förderung zur Zeit 25000 t gegen 425000 t im Jahre 1939. Im Bergbau der GHH Absinken der täglichen Förderung von 15000 t auf 800 t (Anm.: Das ist die Förderung der Zeche Jacobi; die Zeche Osterfeld wird erst Ende Juni 1945 wieder in Betrieb gehen). Stündliche Gasabgabe 1000 m³ bei einer täglichen Kokserzeugung von etwa 200 t Koks. Neben den starken Beschädigungen der Betriebsanlagen ist der größte Engpass die geringe Arbeitslust der Belegschaft, die großenteils die Arbeit noch gar nicht aufgenommen hat.
Zur Hebung der Arbeitslust soll der unter dem 30. Mai ds. Jrs. vom Oberbürgermeister veröffentlichte Aufruf "Werktätige" auf den Zechen ausgehängt werden. Außerdem sollen die Mitglieder der Betriebsvertretung und die Oberbeamten je ein Stück des Aufrufes bekommen, damit sie die Belegschaft im Sinne des Aufrufes aufklären können.
Wirtschaftliche Lage des Bergbaues ist gekennzeichnet
•    durch Kriegsschäden in Höhe von rd. 20.000.000 RM
•    durch einen monatlichen Betriebsverlust von 1,7 Mill. Reichsmark.

Infolgedessen Beamtenabbau unvermeidlich nach folgenden Grundsätzen:
•    Entlassung der weiblichen Arbeitskräfte
•    Pensionierung der über 65jährigen Angestellten
•    Zurückversetzung von Oberbeamten zu Tarifbeamten, Abteilungssteigern zu Grubensteigern und Fahrhauern ins Arbeitsverhältnis.

Neben dem Beamtenabbau sind Gehaltskürzungen durch den Übergang auf eine 36-Stunden-Woche notwendig geworden. Diese bereits bei der Bergbauverwaltung eingeführte Maßnahme wird am 11.6. auch auf die kaufm. und techn. Büros der Zechen ausgedehnt. Mit der Möglichkeit weiterer Gehaltskürzungen –auch ohne Arbeitszeitverkürzung – muss gerechnet werden.

2. Arbeitseinsatz
Der Arbeitseinsatz leidet insbesondere unter der hohen Zahl der Fehlschichten. Auf Zeche Jacobi werden z.B. von 1460 angemeldeten Belegschaftsmitgliedern arbeitstäglich nur 1030 Schichten verfahren. Von den etwa 430 Fehlschichten entfallen etwa 90 auf Krankheit, 40 auf Tarifurlaub, 20 auf willkürliches Feiern und der Rest auf Beurlaubungen aus persönlichen Gründen, wobei es sich meist um Lebensmittelbeschaffung handelt. Bemerkenswert ist ferner, dass von 380 der Zeche Jacobi überwiesenen Bergleute der Zeche Osterfeld erst 180 tatsächlich die Arbeit auf der Zeche Jacobi aufgenommen haben.
Da der Mangel an Kohlenhauern besonders groß ist, sind grubentaugliche Belegschaftsmitglieder des Übertagebetriebes in die Grube geschickt und umgekehrt nicht einsatzfähige Untertagearbeiter nach Übertage verlegt worden.

3. Strom- und Wasserversorgung
Durch die Inbetriebnahme eines 6000 kW-Generators des Kraftwerkes Zeche Sterkrade hat sich die Stromversorgung fühlbar verbessert. Die laufende Leistungsabgabe des Kraftwerkes Sterkrade schwankt zwischen 4000 kW und 5000 kW. Zur Zeit sind auf der Zeche Sterkrade 3 Kessel betriebsfertig. Sobald die Staubfeuerungskessel, bei denen hauptsächlich die Armaturen fehlen, betriebsfertig sind, kann auch die Presslufterzeugung auf der Zeche Sterkrade wieder aufgenommen werden …

4. Ernährungsfragen
Infolge der schlechten Ernährungslage weigern sich die Arbeiter des Tagesbetriebes, die vorgesehene 10-stündige Schichtzeit zu verfahren und gehen nach 8 Stunden nach Hause. Nach den Bestimmungen können in diesem Falle allerdings keine Schwerarbeiterzulagen gewährt werden. Ferner sollen diese Leute von der Kartoffelbelieferung ausgeschlossen werden. Nach eingehender Besprechung wurde festgelegt, dass an der Kartoffelversorgung alle Bergbauangehörigen beteiligt werden sollen, zumal auch die Betriebsvertretungen diesen Standpunkt vertreten. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Kohlenhauer neben ausreichenden Mengen von Kartoffeln und Brot vor allen Dingen mehr Fett haben müssen. Augenblicklich sind die Arbeitsleistungen so gering, dass der tägliche Verdienst der Kohlenhauer nach der bisherigen Grundlage nur etwa RM 3,00 beträgt. Nach den Tarifbestimmungen haben sie aber Anspruch auf den Hauermindestlohn von RM 6,52. Infolge dieser Verhältnisse ist auf der Zeche Jacobi von allen Kohlenhauern die Annahme des Gedinges verweigert worden.
Die von der Zeche Osterfeld zur Zeche Jacobi verlegten Kohlenhauer sind von den Jacobi-Leuten beeinflusst worden, mit der Leistung zurückzuhalten. Erfreulicherweise sind diese Beeinflussungsversuche jedoch insofern ohne Erfolg geblieben, als die Kohlenhauer der Zeche Osterfeld eine wesentlich höhere Leistung aufzuweisen haben als der Durchschnitt der Stammbelegschaft.
Als sehr schwierig erweist sich die Zuteilung der Schwerarbeiterkarten an die Übertagebelegschaft, weil viele Leute Anspruch auf Schwerarbeiterzulage erheben, ohne dass diese ihnen nach den bestehenden Bestimmungen gewährt werden kann.
Obwohl auf unseren Zechen bereits viel großzügiger verfahren wird als bei den Hüttenbetrieben der GHH, ist es doch schon zu Bedrohungen von Angestellten über diese Frage gekommen. Gewerkschaftsvertreter Jochem hat erklärt, dass er versuchen werde, für alle Übertage-Beschäftigten Schwerarbeiterkarten zu erwirken.

5. Ausgabe von Warmverpflegung
Auf Anordnung des R.C.D. (Ruhrcoal Controlcommission District 2) soll auf den Zechen Warmverpflegung an die Über- und Untertage-Belegschaft ausgegeben werden. Dafür soll die Schwerarbeiterkarte eingezogen werden. Es soll versucht werden, dem R.C.D. klarzumachen, dass nach unseren Erfahrungen Warmverpflegung nur für die Übertagearbeiter angebracht ist, dass dagegen für die Untertagearbeiter die Ausgabe von kalter Verpflegung (Brot, Butter und Wurstwaren) zweckmäßiger ist.

6. Leihweise Überlassung von Fahrrädern durch den R.C.D.
Der R.C.D. hat sich bereit erklärt, an Bergleute, die einen Anmarschweg von mehr als 3 km haben und kein Fahrrad besitzen, leihweise Fahrräder abzugeben. Die Zechen sollen möglichst schnell dem R.C.D. die Anzahl der in Betracht kommenden Belegschaftsmitglieder aufgeben.

7. Besondere Vorkommnisse
Besondere Vorkommnisse, die einen nachteiligen Einfluss auf die Stimmung der Belegschaft haben, wie z.B. Raubüberfälle, Plünderungen, Wohnungsbeschlagnahmungen usw., sollen künftig von den Zechen in Form eines in englischer Sprache abgefassten schriftlichen Berichtes den örtlichen R.C.D.-Beauftragten eingereicht werden.

Zum letzten Punkt in diesem Aktenvermerk sind einige erklärende Worte angebracht. In den ersten Wochen nach Kriegsende kommt es häufig zu Übergriffen von Banden, die meist aus befreiten sowjetischen Kriegsgefangenen und Ostarbeitern bestehen. Diese plündern sogar tagsüber Geschäfte und Lager, brechen in Wohnungen ein oder rauben wahllos Passanten auf der Straße aus. Es gibt aber auch gezielte Vergeltungsmaßnahmen gegen ihre ehemaligen Bewacher. Nicht selten "beschlagnahmen" die ausländischen Arbeiter Wohnungen für den Eigenbedarf, weil sie nicht länger in Lagern leben wollen. Obgleich die britische Militärpolizei streng durchgreift und versucht, die Banden zu entwaffnen, hören die Ausschreitungen erst auf, als die letzten Fremdarbeiter im September 1945 in ihre Heimat zurückgekehrt sind.
Im Laufe des Jahres erreicht die Belegschaft langsam aber stetig eine Stärke von 3150 Mann. Im Oktober heben die Briten die Göring-Verordnung auf und führen die Achtstundenschicht wieder ein. Die Förderung liegt mit 605200 t in der Größenordnung von 1924.
Auch 1946 leidet die Anlage neben dem chronischen Belegschafts- und Materialmangel unter den vielen Fehlschichten. Diese werden wegen der anhaltend schwierigen Ernährungslage zur Nahrungsmittelbeschaffung benutzt. Infolge des schlechten Gesundheitszustands der Belegschaft steigen die Krankenzahlen auf 10% und damit der gesamte Fehlschichtenanteil auf 27%.

Trotzdem kann man einen Aufwärtstrend erkennen: Die Tagesförderung steigt von 2141 t im Januar auf 3047 t im Dezember und bis zum Jahresende kommen auf der Zeche insgesamt 693000 Tonnen Kohle zutage.
Die erste Lohnerhöhung nach mehr als 10 Jahren erhalten die Bergleute im November 1946. Der tarifliche Hauermindestlohn wird um 20% auf 7,82 RM je Schicht erhöht, dadurch klettert der Hauerdurchschnittslohn auf 10,80 RM.

1946 nimmt die Zeche die 3. Sohle als Hauptfördersohle in Betrieb. Die sieben Abbaubetriebe haben Streblängen zwischen 200 m und 250 m. An jedem Betriebspunkt gewinnen 30 bis 40 Kohlenhauer die Kohle mit dem Abbauhammer. Bei günstigen geologischen Bedingungen unterstützt eine Kettenschrämmaschine diese Arbeiten.

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Bild 35: Der Hauer schmiert seinen Abbauhammer. Bild 36: Ein an Ketten aufgehängtes Stahlgliederband in der Bandstrecke eines Abbaubetriebes

Mehr als die Hälfte der Förderung kommt aus Bruchbaubetrieben, der Rest verteilt sich auf Betriebe mit Blas- und Schleuderversatz. In den Abbaustrecken verdrängen Stahlgliederbänder aus dem Lieferprogramm der GHH die Gummigurtförderer vollkommen. An die Stelle des Holzausbaus im Streb treten immer mehr Reibungsstempel und Kappen aus Stahl, ebenfalls Erzeugnisse der Gutehoffnungshütte.

Im Ortsvortrieb der Bandstrecken laufen anstelle der sonst üblichen Kettenförderer leichte Schüttelrutschen, um das Verlängern zu erleichtern. Damals wird schon der Rutschenantrieb fest mit der Kehre des Stahlgliederbandes verbunden. Auf dieses Prinzip der Fesselung von zwei Förderern werden die Schlosser in den 1980er Jahre sehr stolz sein, weil sie es für ihre "Erfindung" halten. Es ist aber fast alles schon einmal dagewesen.
Das trifft auch für den folgenden Fall zu: Als in Flöz 3 Schwierigkeiten auftreten, weil in einem Betrieb, in dem eine Schrämmaschine mit doppeltem Ausleger eingesetzt ist, die "angebrannte" Oberkohle nicht hereinbricht, erinnert man sich an den "Eisernen Heinrich" und ersetzt den oberen Schrämarm durch eine am Hangenden arbeitende Schrämstange.

In den Strecken und Streben sind zwar Beleuchtungsanlagen installiert, aber es gibt nicht genügend Glühlampen, weil diese als Tauschartikel für Lebensmittel hoch im Kurs stehen. Deshalb bleiben die Strecken meistens dunkel. Im Streb muss der Elektriker vor der Kohlenschicht die Glühlampen ein- und zum Schichtende wieder herausschrauben. Die in Watte verpackten Kostbarkeiten bringt er in einer Holzkiste bis zum nächsten Tag zur sicheren Verwahrung in die Werkstatt. Eine neue Lampe bekommt er nur im Austausch gegen eine defekte. Schwierigkeiten treten nur auf, wenn diese voll Fliegendreck ist …

ZecheJacobi 037 Mit der Währungsreform kommt 1948 die große Wende. Die Lebensmittelbeschaffung klappt plötzlich reibungslos und auch bei sonstigen Waren gibt es kaum noch Engpässe. Für Geld kann sowohl die Belegschaft als auch die Schachtanlage alles bekommen.
Die im Streb eingesetzten Reibungsstempel und Stahlkappen ermöglichen eine "stempelfreie Abbaufront", weil bei geeignetem Hangenden die Stempelreihe am Kohlenstoß wegfallen kann. Gleichzeitig entwickelt sich der Bruchbau zur bevorzugten Versatzart. Nur in Flöz Gustav laufen die Abbaubetriebe aus geologischen Gründen noch mit Blasversatz und Kohlenstoßstempeln.
Bild 37: Schlagwettergeschützte Strebbeleuchtung
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Bild 38: Der Hauer treibt mit der Setzklaue den Oberstempel heraus und verspannt ihn mit dem Keilschloss. Bild 39: Bergleute schieben den Panzerförderer mit Handwinden in das neue Feld.

Die Vorteile des stempelfreien Kohlenstoßes zeigen sich besonders deutlich, als 1949 der erste "Panzerförderer" im Streb eingesetzt wird. Er kann wegen seiner mechanischen Festigkeit in einem Stück in das neue Feld geschoben werden und bildet die Voraussetzung für eine spätere Vollmechanisierung der Kohlengewinnung.

Und die lässt nicht lange auf sich warten. Denn schon 1951 kommt mit dem "Löbbe-Hobel" eine Maschine zum Einsatz, die die Kohle nicht nur lösen, sondern auch in den Förderer laden kann. Diese neue Art der Kohlengewinnung reduziert auf der einen Seite die Strebbelegschaft, erfordert aber andererseits eine höhere Qualifizierung der Bedienungsmannschaft. Und noch etwas ist ganz wichtig: der Hobel braucht als Führung einen starren Förderer, den "Panzerförderer". Eine Schüttelrutsche eignet sich für diesen Zweck nicht. Außerdem verlangt die Hobelanlage bei einem 200 Meter langen Streb die für damalige Verhältnisse gigantische Antriebsleistung von 160 kW! Diese kann das Druckluftnetz selbst nach kostspieligen Erweiterungen nur unvollkommen bereitstellen. Der Einsatz von Elektromotoren lässt sich nicht länger vermeiden. Die bereits 1935 unter Tage eingeführte elektrische Energie schafft den Sprung vom Querschlag über die Abbaustrecken in den Streb.

Die Elektromotoren 1 und 2 treiben über Getriebe das Stegkettenband des Panzerförderers an. Der Motor 1 liefert gleichzeitig über eine Zapfwelle und eine elektrisch gesteuerte Schaltkupplung die Antriebsenergie für den Hobelkörper 3. Eine ähnlich aufgebaute Einheit ist am Hilfsantrieb installiert. Die druckluftbetriebenen Rückzylinder 4 schieben den Förderer an den Kohlenstoß.
Für den technisch interessierten Leser möchte der Chronist nun auf einige besondere Merkmale der damals hochmodernen Abbaubetriebe mit Löbbe-Hobeln, die Strebleistungen um 10 t je Mann und Schicht erreichen, etwas näher eingehen.
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Bild 40: Versuchsaufbau des Hauptantriebs einer Löbbe-Hobel-Anlage in der Werkstatt

Konstrukteur dieser erfolgreichen Hobelvariante ist Wilhelm Löbbe, der bei der Eisenhütte Westfalia Lünen das Konstruktionsbüro für Bergwerksmaschinen leitet. Er vermeidet die bekannten Schwachstellen des "Einheitshobels" und stellt den Betreibern ein Gerät zur Verfügung, das nach Überwindung der üblichen Kinderkrankheiten fast keine Wünsche offen lässt. An die Stelle des gefährlichen Zugseiles und der Winde in der Strecke tritt eine endlose Kette, die über je einen Motor am Hauptantrieb und am Hilfsantrieb des Strebpanzers in Bewegung gesetzt wird. Der Panzerförderer dient gleichzeitig als Zwangsführung für den Hobelkörper. Druckluftzylinder, die sich gegen den Ausbau abstützen, sorgen in Abständen von 6 m für den erforderlichen Andruck des Förderers an den Kohlenstoß.
Die beschriebene Anlage erfordert bei 200 m Streblänge 4 Elektromotoren mit je 40 kW, von denen je zwei am Hauptantrieb in der Bandstrecke und am Hilfsantrieb in der Kopfstrecke arbeiten. Aus Kostengründen, aber auch um Steuerungsprobleme zu vermeiden, versorgt man üblicherweise nur die Bandstrecke mit elektrischer Energie und führt die Motorleitungen sowie die Leitung für das Steuerventil am Förderer entlang durch den Streb.
Die Schaltkupplungen für den Antrieb des Gewinnungsgerätes werden über elektrische Steuerventile mit Druckluft beaufschlagt, so dass der Hobelfahrer bei laufendem Strebförderer die Bewegungsrichtung des Hobels vom Hauptantrieb aus bestimmen kann, indem er das entsprechende Ventil mit einem Schalter an Spannung legt. Der Hobelbegleiter gibt die Befehlssignale über die elektrische Strebbeleuchtung. Diese ist fest am Panzer angebaut und ermöglicht dadurch zusätzlich eine Richtungskontrolle. Zehn Jahre später kann er auch von jeder Leuchte aus mit dem Hobelfahrer telefonieren.

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Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass die Zeche Jacobi ein Hochspannungsnetz mit einer Nennspannung von 3000 Volt betreibt. Die Versorgungsspannung für die Motoren und die Steuerspannung betragen 380 Volt, während die Beleuchtung wie überall mit 220 Volt arbeitet. Ab 1958 machen die gestiegenen Einzelleistungen der eingesetzten Motoren eine Erhöhung der Betriebsspannung auf 500 Volt erforderlich. Gleichzeitig wird die Steuerspannung auf die nach der 1957 in Kraft getretenen Bergverordnung für elektrische Anlagen zulässigen 42 Volt umgestellt.
Im Zuge der Zerschlagung der deutschen Montangesellschaften nach dem Gesetz Nr. 27 der Alliierten Hohen Kommission für Deutschland werden die Bergwerke Jacobi, Osterfeld und Franz Haniel aus dem GHH-Konzern ausgegliedert und am 28. Mai 1952 in die neugegründete Bergbau AG Neue Hoffnung übergeführt. Die Auflösung der Konzerne nennen die Briten "Operation severance", die Deutschen bezeichnen sie als "Entflechtung".

Bild 41: Blick in einen Hobelstreb - Die Strebleuchten sind unter Schutzkörben fest am Förderer montiert.

Dieser Zustand dauert nur 5 Jahre, denn 1957 kommt die Kohle wieder zum Stahl zurück, weil die Hüttenwerk Oberhausen AG (HOAG), 1951 ebenfalls aus der GHH "entflochten", das Aktienpaket der Neuen Hoffnung erwerben darf. Aber erst am 1. Dezember 1959 übernimmt die Tochtergesellschaft Hüttenwerk Oberhausen AG Bergbau die Betriebsführung der Bergwerke.

Das Jahr 1954 setzt einen weiteren Meilenstein an den Weg der technischen Entwicklung auf Jacobi: Es gibt keine Schüttelrutschen mehr! Auch in den Streckenvortrieben kann der Panzerförderer verlorenen Boden zurückerobern. Am Jahresende laufen in 13 Abbaubetrieben 3 Löbbe-Hobel, 5 Schrämmaschinen in Verbindung mit einem Strebpanzer und 5 Abbauhammerbetriebe mit Strebpanzer. Der Löbbe-Hobel erlaubt den wirtschaftlichen Abbau geringmächtiger Flöze. Die Streblänge vergrößert sich im Durchschnitt auf 261 m. Abgebaut werden die Flöze der Zollverein-Gruppe sowie die Flöze Laura und Gustav mit einer mittleren Mächtigkeit von 1,19 m. In der Mischung liefern sie eine gute Kokskohle. Bruchbau und Blasversatz halten sich die Waage. Die Belegschaftsstärke pendelt sich bei rund 4500 Mann ein. Das Nachkriegsmaximum von 1950, in dem Jahr arbeiteten hier 5051 Menschen, bleibt auch später unerreicht.

(c) Fritz Pamp

   

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