Der Steinkohlenbergbau der Gutehoffnungshütte in Oberhausen

Die Zeche Hugo

Ihre Entwicklung bis zum Verbund mit der Zeche Sterkrade 1931

In der ersten Hälfte der 1890er Jahre beschließen Vorstand und Aufsichtsrat der Gutehoffnungshütte, in der Gemarkung "Waldteich" auf einem 90 ha großen firmeneigenen Grundstück eine Schachtanlage zu errichten. Waldteich ist ein Ortsteil von Schmachtendorf, das seinerseits – bis zur Eingemeindung nach Sterkrade 1917 – zur Landbürgermeisterei Hiesfeld gehört.

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Bild 01: Auf diesem "Übersichtsplan der Bürgermeisterei Sterkrade" aus dem Jahre 1903 sind die Gemeindegrenzen grün nachgezeichnet. Der Landmesser stellt die nicht zu Sterkrade gehörenden Straßen im Waldteichgebiet nur gestrichelt dar.

Auch über den Namenspatron herrscht in beiden Gremien Einigkeit: Die geplante Anlage soll nach Hugo Haniel, der als Mitglied des GHH-Aufsichtsrates den Ausbau der Steinkohlenförderung durchgesetzt hat, "Hugo" heißen. Erst 1949 wird sie, um Verwechselungen mit der gleichnamigen Zeche in Gelsenkirchen zu vermeiden, in "Hugo Haniel" umbenannt.

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Bild 02: Hugo Haniel (1810–1893), Sohn von Franz Haniel und wie sein Vater Chef der weitverzweigten Familie, ist u.a. von 1873 bis 1880 Aufsichtsratsvorsitzender der GHH gewesen.

Geplant sind neben dem Schacht, der im Senkschachtverfahren niedergebracht werden soll, Gebäude für zwei Fördermaschinen und einen Kompressor, ein Kesselhaus, eine Aufbereitungsanlage mit Sieberei und Wäsche, Werkstätten, Kauen und Büros. Ein Kraftwerk und eine Kokerei sind nicht vorgesehen.
Die Teufarbeiten beginnen am 2. Februar 1895 mit dem ersten Spatenstich durch den Sohn des 1893 verstorbenen Namensgebers, Franz Haniel d. Jüngeren (1842–1916).
Die Schachthauer erreichen mit dem gemauerten Senkschacht (7,5 m Ø) trotz starker Wasserzuflüsse eine Teufe von 24 m. Hier setzt er sich in einer Tonschicht fest. Das anstehende Gebirge ist so kompakt, dass die Fachleute ein Weiterteufen von Hand für möglich halten. Deshalb fällt die Entscheidung, von übertage eine Tübbingsäule mit 6,72 m Ø einzubauen und beim weiteren Vertiefen des Schachtes mitzuführen. Mit dieser Arbeitsmethode treten bis in 81 m Teufe keine größeren Schwierigkeiten auf, allerdings werden die Gebirgsschichten immer weicher und sandiger und die Wasserzuflüsse nehmen wieder zu. Um kein unnötiges Risiko einzugehen, entscheiden die Experten, den Betrieb im Senkschachtverfahren mit Tübbingausbau weiterzuführen. Die Teufmannschaft gießt zunächst zwei 5 m bzw. 7 m starke Betonfundamente, die durch eine Kiesschicht getrennt sind. Darauf montiert sie einen Schneidschuh (6,08 m Ø) und die Tübbingsäule bis zur Tagesoberfläche.

Nach Beendigung dieser Arbeiten beginnen die Schachthauer damit, das Betonfundament mit Abbauhämmern abzutragen und dadurch die zweite Tübbingsäule abzusenken. Es kommt zu einem Unfall, den der Leiter des Königlich Preußischen Bergrevieramtes Oberhausen, Bergrat Karl Selbach, von Amts wegen untersucht. Er schreibt in seinem 1907 erschienenen Buch Illustriertes Handlexikon des Bergwesens: "Als der obere 7m dicke Betonpfropfen in der Mitte bis zu der darunter befindlichen Kieslage durchbrochen war, geriet der Senkschacht plötzlich in Bewegung und sank binnen weniger Minuten 10 m tief ein, wobei die Kieslage aufgewühlt und der darunter befindliche 5 m starke Betonpfropfen durchschlagen wurde. Hierbei kamen zwei Schachthauer zu Tode, die unter dem aufgewühlten Kies begraben wurden. Man hatte wohl erwartet, dass der Schacht, der ein Gewicht von über 900 t besaß, rasch durch die Kiesschicht hindurchsinken würde, dass er aber auch die untere Betonschicht durchschlagen und noch 2 bis 3 m in das feste tonige Gebirge einsinken würde, hatte man für unmöglich gehalten."

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Bild 03: Die Zeche Hugo im Jahre 1910. Schachtgerüst und Schachthalle sind baugleich mit den entsprechenden Gebäuden über dem Schacht Sterkrade 1.

Nach dem tragischen Unfall räumen die Schachhauer die Sohle frei und nehmen die Arbeit wieder auf. In einer Teufe von 175 m läßt sich die inzwischen mehr als 2.000 t schwere Tübbingsäule auch mit hydraulischen Pressen nicht tiefer absenken. Während eine Kolonne den Einbau eines dritten Tübbingschachtes vorbereitet, arbeitet eine zweite Gruppe Schachthauer die Bleidichtungen in den Fugen der Ausbausegmente nach und dichtet dadurch den Schacht ab.

Während dieser Arbeiten bahnt sich ein Unglück ganz anderer Art an; dazu Bergrat Selbach:
"Eine genaue Untersuchung des Schachtes ergab, dass sich in der Teufe von 120 bis 136 m in den Segmenten von elf übereinander befindlichen Tübbings ein senkrechter Riß befand, dessen Ränder etwa 6 mm auseinander klafften, aber kein Wasser durchließen …
In dem Risse erblickte man, da keine weiteren Veränderungen eintraten, keine Gefahr. Bedenklicher erschien es, dass ein einseitiger Wasserdruck auf dem Schachte ruhte. Man hatte nämlich bei 150 bis 165 m Teufe die Tübbings an mehreren Stellen mit 15 mm weiten Löchern, die gleich wieder durch Schrauben verschlossen wurden, durchbohrt. Aus den Löchern auf einer Seite war nichts herausgetreten, aus denen auf der westlichen Seite aber wurstähnlich toniger Sand in den Schacht geschleudert worden.  
Der Senkschuh für den Mauersenkschacht war am 2. September 1895 gelegt; – am 6. August 1898 war der Schacht des Vormittags noch von dem Bergwerksdirektor befahren worden, und des Nachmittags gegen 5½ Uhr befanden sich mehrere Schachthauer auf einer schwebenden Bühne 140 m unter Tage am Verstemmen der Fugen, als plötzlich etwas unter ihnen ein heftiger Knall entstand. Da sich der Knall wiederholte, ließen sich die Leute erst bis zu 126 m und endlich, als solche auch über ihnen entstanden, bis zu Tage in die Höhe ziehen …
Das Knallen wurde häufiger und heftiger und abends gegen 8 Uhr sank der eiserne Senkschacht plötzlich 15 cm tiefer ein. Gleich darauf hörte man, wie das Eisen darin brach und ein heftiges Brausen von einstürzenden Wasser- und Schlammassen. Der Schacht füllte sich rasch bis oben hin mit Wasser an.
Er war verloren und mit ihm eine Zeit von drei Jahren und die während dieser Zeit aufgewendete geistige und körperliche Arbeit und ein großes Kapital (1 036 000 Mk.)."

Im Februar 1899 beginnen die Schachthauer in 130 m Entfernung südöstlich vom verunglückten Grubenbau mit dem Niederbringen eines neuen Schachtes. Auch hier erreicht der gemauerte Senkschacht mit einem Durchmesser von 7,5 m in 20 m Teufe eine wassertragende Tonschicht. Im relativ festen Gebirge gelingt es, den Schacht im selben Durchmesser von Hand um weitere 50 m zu vertiefen und auszumauern. Das hier anstehende gebräche Gestein erfordert den Einsatz eines Tübbingsenkschachtes (6,65 m Ø), der sich aber schon nach 6 m, also in 76 m Tiefe, verklemmt. Die zweite Tübbingsäule  mit einem Durchmesser von 5,8 m sinkt bis 163 m Teufe. Im August 1902 stößt erst der dritte gußeiserne Senkschacht (4,70 m Ø) 178 m unter der Tagesoberfläche auf standfestes Gebirge. Noch am Jahresende erreichen die Schachthauer in 330 m Teufe das Karbon. In den folgenden beiden Jahren laufen die Arbeiten unter und über Tage zügig weiter. Während die Teufmannschaft die 1. (359 m-) Sohle und die 2. (385 m-) Sohle aussetzt, bereiten weitere Kolonnen im Schacht, im Sohlenniveau und in der Flözebene die Kohlenförderung vor.
Parallel dazu werden die Gebäude auf dem Zechenplatz fertiggestellt, und Mitarbeiter des Werks Sterkrade der GHH montieren die geplanten Maschinen.

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Bild 04: Der Lageplan der Zeche Hugo 1910 Bild 05: Die Zeche Hugo 1918. Der Wasserturm steht über dem verunglückten Schacht. Hier wird das Wasser in 20 m Tiefe in einem Becken gesammelt und in den Hochbehälter gepumpt. Die Ziegelei am rechten Bildrand stellt aus dem beim Kohlenabbau anfallenden Schieferton Ziegelsteine her.

Im Dezember 1904 nimmt die Zeche Hugo aus dem 10,3 km² großen Grubenfeld die regelmäßige Förderung auf. Die Flöze der anstehenden Gasflammkohle sind mäßig geneigt abgelagert. Bis zum Jahresende bringen die 130 Mitarbeiter 5.000 t zu Tage. Die Kohle eignet sich aber nicht zur Koksherstellung. In den folgenden Jahren liegt die Förderung mit maximal 1.782 Mann zwischen 300.000 t/a und 400.000 t/a und die Leistung je Mann mit durchschnittlich 370 t/a meist über dem Wert der übrigen GHH-Zechen.
Weil die Zechen Hugo und Sterkrade in der Wetterführung, der Wasserhaltung und der Energieversorgung einen Verbund bilden und außerdem einen gemeinsamen Betriebsführer haben, betrachtet die Bergbehörde beide Betriebe als eine Einheit. Das bedeutet, dass die GHH auf das Teufen des Schachtes Hugo 2 verzichten kann.
Die technische Ausrüstung der beiden Grubenbetriebe ist sowohl in der Gewinnung als auch im Transport weitgehend gleich.
Für die Mitarbeiter der Zeche Hugo läßt die GHH zwei Kolonien bauen, die heute privatisiert sind:

 

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Bild 06: Die Kolonie Hiesfeld 1910. Sie entsteht an der Emmericher Straße und der Hufstraße in der Nähe des Bahnhofs Holten Bild 07: Die Kolonie Hühnerheide im Bereich Habichtstraße / Lindenplatz 1912

Wegen der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse Anfang der 1930er Jahre legt die GHH die Zeche Hugo am 1. April 1931 still. Die Zeche Sterkrade übernimmt zunächst das Grubenfeld und als sie selbst 1933 ihre Tore schließen muß, bilden beide Sterkrader Schachtanlagen mit der Zeche Osterfeld ein Verbundbergwerk.

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Bild 08: Die Zeche Hugo kurz vor der Stillegung von der Weseler Straße aus gesehen

Bis zu seiner Verfüllung im Oktober 1993 versorgt der Schacht Hugo Haniel, wie er seit 1949 offiziell heißt, das Bergwerk Osterfeld mit frischen Wettern.
Heute ist das Betriebsgelände vollständig abgeräumt und als Gewerbegebiet ausgewiesen.

(c) Fritz Pamp

   

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