Die Kolonie Jacobi

Der Aufbau und die Entwicklung

Die Zeche Jacobi, das 'Versailles des Ruhrgebiets'.

Auch für die kurz vor der Fertigstellung stehende Zeche Jacobi plante die GHH auf firmeneigenem Grund und Boden eine Kolonie, die – ähnlich wie in Vondern – außerhalb des Osterfelder Siedlungsgebietes lag. Deshalb mußte sie ihren Bauantrag bei der zuständigen Kreisverwaltung in Recklinghausen einreichen.

Die Zeche Jacobi, das "Versailles des Ruhrgebiets". Die Planung der Anlage lag in den Händen der Stuttgarter Architekten Carl Weigle und Söhne.

 

Der Landrat Graf von Merveldt erteilte am 3. Juli 1913 eine "Ansiedlungsgenehmigung zur Errichtung der Jakobikolonie", die aus 27 Wohnhäusern mit 54 Wohnungen für Beamte, 98 Wohnhäusern mit 343 Wohnungen für Arbeiter, vier Ledigenheimen mit je einer Verwalterwohnung, einer Konsumfiliale und einem Beamten- und einem Arbeiterkasino mit Verwalterwohnung bestehen sollte. Die Baugenehmigung für eine ebenfalls geplante "KleinkinderSchule" erfolgte in einem Nachtrag. Gleichzeitig verpflichtete der Landrat die GHH, der Gemeinde Osterfeld in der Kolonie ein geeignetes Grundstück für den Schulbau und zwei "Polizeisergeantenwohnungen" mit je zwei Arrestzellen unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. "Die Wohnungen dürfen nicht in von Arbeitern bewohnten Häusern sich befinden, müssen einen besonderen Eingang haben und mindestens aus je 4 Zimmern, Küche, Keller, Boden, kleinem Garten und Stallung bestehen."

Blick in die Huyssenstraße nach Westen

Die Huyssenstraße 1934

Blick in die Huyssenstraße nach Westen Sogar ein "Dorfbrunnen" fehlte nicht

Die Huyssenstraße 1934

Die Jacobi-Kolonie entstand zwischen 1913 und 1920 nach den Plänen des Architekten Carl Weigle in unmittelbarer Nähe der neuen Schachtanlage. Sie beeindruckte durch die Typenvielfalt der eineinhalb- und zweigeschossigen Häuser, welche der Architekt mit verhältnismäßig kleinen Änderungen der Fassaden und der Dachformen erreichte. Jede der rechteckigen Gebäudegruppen bildete den Rahmen für die Höfe und Nutzgärten; daraus ergab sich eine sehr aufgelockerte Bebauung mit vielen Spielflächen für die Kinder. Sogar ein "Dorfbrunnen" fehlte nicht!
Bedingt durch die Kriegs- und Nachkriegszeit konnte die GHH jedoch ihre Baupläne nicht ohne Abstriche verwirklichen. Die Anzahl der erstellten Wohnungen schmolz auf 161 zusammen, ferner beschränkte man sich bei den Ledigenheimen, dem Kindergarten und der Konsumfiliale auf eine Sparlösung und brachte alle drei Einrichtungen in einem Gebäude an der Breite Straße (heute Teutoburger Straße 259) unter. Die Kasinos fielen dem Rotstift zum Opfer.
Die Kolonie liegt zwischen der Hugostraße, der Hanielstraße, der Turnplatzstraße und der Teutoburger Straße. Sie gehörte zu den schönsten im Ruhrgebiet, bis ein großer Teil der Wohnungen Anfang der 1990er Jahre an die Mieter verkauft und von diesen sehr individuell gestaltet wurde. Viele Teilhaus-Besitzer verwendeten in bunter Reihe die Materialien, die moderne Baumärkte für die Fassadenrenovierung anbieten. Deshalb sieht der Passant neben rostbrauner Ölfarbe, Spaltklinkern und Schiefer auch Riemchen und Fliesen in allen Schattierungen, selbst Verblendungen mit Bruchsteinen kann er in zwei Fällen bewundern. Er kommt aber auch an Häusern vorbei, deren Eigentümer das ursprüngliche Aussehen erhalten haben, indem sie das Mauerwerk lediglich reinigen und neu fugen ließen.

Ein typisches Haus

Fassade mit Bruchsteine

Ein typisches Haus Die linke Fassade ist unbehandelt, die folgende abgewaschen und verfugt, die nächste teilweise rostbraun gestrichen und die letzte verklinkert.

Hier verwendete der Besitzer bei der Gestaltung der Fassade seines Hausteils Bruchsteine.

Von der Harmonie der Weigle'schen Ziegelbauten ist also nicht viel geblieben. Leider setzte sich hier niemand für eine Sanierung unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten nach dem Muster Eisenheim oder Stemmersberg ein.
Unverändert sind dagegen die Straßennamen in der Siedlung erhalten. Anders als zum Beispiel auf dem Stemmersberg, wo man den Firmennamen zerlegte (Gute - Hoffnung - Hütte - Aktien - Verein), suchte sich die GHH dieses Mal die Paten in der Firmengeschichte: Hugo Jacobi, der seit 1905 im Ruhestand lebende Generaldirektor und Enkel des Firmengründers Gottlob Jacobi, gab nicht nur dem Bergwerk, sondern auch zwei Straßen seinen Namen. Zwei Straßen wurden nach Heinrich Huyssen und eine weitere nach Franz Haniel benannt, die beide zu den Firmengründern zählten. Die Herren Carl Lueg und Gottfried Ziegler leiteten als Generaldirektoren das Unternehmen. Und daß das Ledigenheim zwischen der Ledigenstraße und von der Heimstraße liegt, ergab sich anscheinend von selbst.

 

Das Ledigenheim

Die Beamtenhäuser an der Jacobistraße

Das Ledigenheim Die Materialknappheit im und nach dem Ersten Weltkrieg zwang die GHH dazu, den Kindergarten und die Konsumfiliale im Ledigenheim einzurichten.

Die "Beamtenhäuser" an der Jacobistraße

Zwischen 1912 und 1927 bauten mehrere Architekten in unterschiedlichen Baustilen an der Jacobi- und an der Waldstraße (heute: Im Fuhlenbrock) die Wohnungen für die "Betriebsbeamten". Die zweistöckigen, villenartigen Häuser unterschieden sich nicht nur durch die Erker und den Außenputz von den Häusern in der Kolonie. Sie waren auch deutlich größer und der Zuschnitt der Räume genügte den höheren Ansprüchen der zukünftigen Bewohner.

Der Polizeiposten

Im November 1914 erinnerte der Osterfelder Amtmann Langweg die GHH an die Auflage in der Ansiedlungsgenehmigung und bat, "für den Polizeisergeanten, welchem als Dienstrevier die Jakobikolonie zugeteilt ist", eine Wohnung im westlich des Ledigenheims liegenden Teil der Kolonie zur Verfügung zu stellen. Nach monatelangem Schriftwechsel einigte man sich, daß die GHH zwar umgehend einen Bauantrag für das Haus stellen sollte, den Baubeginn wegen der Materialknappheit aber nötigenfalls bis nach dem Krieg hinausschieben durfte. Der Kompromiß kam zustande, weil in dem "Beamtenhaus" Waldstraße 3 A (heute Im Fuhlenbrock 3 A) – also in unmittelbarer Nähe der Kolonie – seit Mai 1914 ein berittener Gendarmerie-Wachtmeister wohnte. Auch wenn dieser nicht zur Ortspolizei sondern zur Polizei des Landkreises gehörte, konnte er bei Bedarf Ruhe und Ordnung in der Kolonie wieder herstellen.
Im Frühjahr 1919 kam Langweg auf das verschobene Bauvorhaben zurück.

Er schrieb an die GHH:
"Die heutigen Zustände lassen es dringend wünschenswert erscheinen, daß mindestens ein Polizeibeamter in der Kolonie der Jakobischächte wohnt. Auch in Anbetracht der herrschenden Wohnungsknappheit ist es erwünscht, daß wenigstens eine der Polizeisergeantenwohnungen der hiesigen Verwaltung zur Verfügung gestellt wird."

Das Angebot der GHH, eine 4 räumige Wohnung im Hause Huyssenstraße 2 A für einen Polizeibeamten freizumachen, lehnte der Amtmann aus folgenden Gründen ab: • Die Wohnung liegt in einem Hause, in dem auch Bergleute wohnen.
• Die Räume sind durchweg zu klein, ebenso der Stall.
• Die erforderlichen Arrestzellen sind nicht vorhanden.
• Die Wohnung unterscheidet sich in keiner Weise von Arbeiterwohnungen.

Infolgedessen kann es keinem Polizeisergeanten zugemutet werden, dieselbe zu beziehen. Es wird gebeten, eine andere, geeignete Wohnung zur Verfügung stellen zu wollen. Zur Zeit befinden sich in der Kolonie Jakobischächte mehrere Häuser im Bau. Es dürfte sich vielleicht ermöglichen lassen, in diesen Neubauten eine passende Wohnung herzustellen."

Dieses Schreiben hielt die GHH wohl für nicht zeitgemäß, denn sie fragte bei der Kreisverwaltung an, ob "die auferlegten Vorschriften nicht gemildert werden können und die vorübergehende Unterbringung eines Polizeibeamten in eine Arbeiterwohnung gestattet wird, weil wir selbst notgedrungen z. Z. Beamte in Arbeiterwohnungen unterbringen müssen."

Der Landrat sprach ein Machtwort, und plötzlich durften auch Osterfelder Polizisten mit Bergleuten unter einem Dach leben. Daraufhin bestätigte die Wohnungsverwaltung der GHH dem Amtmann:
"Bei der gemeinschaftlichen Besichtigung ist für den unterzubringenden Polizeibeamten die Obergeschoßwohnung in dem neuerbauten Hause Breite Straße 91 (heute Teutoburger Straße 253) in Osterfeld ausersehen worden. Die Wohnung besteht aus 3 Zimmern, Küche, Spülküche nebst zugehörigem Keller, Stall und einem gemeinschaftlichen Trockenboden. Sie wird voraussichtlich am 1. November [1919] bezugsfertig sein."
Die Fertigstellung des Hauses verzögerte sich jedoch bis Ende Januar 1920. Dann konnte endlich ein Ortspolizist, der Kriminal-Assistent Friedrich Schulzke, in der Jacobi-Kolonie wohnen und arbeiten.
Damit endete hier zunächst der Wohnungsbau. Das freigebliebene Gelände pachteten die Bewohner gegen mäßige Gebühr als zusätzliches Gartenland.


Die Schule


Der Osterfelder Gemeinderat traf am 6. Februar 1914 die Entscheidung, in der Kolonie eine katholische und eine evangelische Schule zu bauen, weil die auf Klosterhardt und Rothebusch vorhandenen Schulen ausgelastet waren.
"Mit der Errichtung von neuen Schulsystemen und zwar je eines katholischen und eines evangelischen Schulsystems in der neuen Beamten- und Arbeiter-Kolonie bei den Jakobi-Schächten erklärten sich die Mitglieder der Schulgemeindekörperschaften einstimmig einverstanden.
Die Gutehoffnungshütte hat ein geeignetes, 0,75 ha großes, an der Breite Straße (heute Teutoburger Straße) belegenes Schulbaugrundstück gemäß der bezüglichen Bestimmungen des Ansiedlungsgesetzes unentgeltlich zur Verfügung gestellt.
Der Schulbau – die beiden Schulen sind aneinander zu bauen – soll sich dem gesammten Koloniebild in jeder Hinsicht, namentlich in architektonischer Beziehung, anpassen. Er soll ausgeführt werden nach den vorgelegten, von dem Baumeister der Gutehoffnungshütte (:Schwarz:) angefertigten Skizzen."

Die Jacobischule

Die Jacobischule 1930

Die Jacobischule Das Luftbild verdeutlicht die Unsymmetrie: der westliche Flügel fehlt.

Die Jacobischule 1930 Die Trennmauer auf dem Schulhof ist deutlich zu erkennen.

Die schon weiter oben angesprochene Materialknappheit wirkte sich auch auf den Schulbau aus.
Der Gemeinderat erteilte zunächst nur den Auftrag für die Errichtung des dreistöckigen Mittelhauses und des zweistöckigen östlichen Seitenflügels. Den Bau des geplanten westlichen Flügels verschob er auf unbestimmte Zeit. An diesem Zustand hat sich bis heute nichts geändert: die Schule ist immer noch unsymmetrisch.
Die Bauarbeiten begannen im April 1914. Sie sollten schon nach den Herbstferien im Oktober beendet sein. Bedingt durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges ließ sich dieser an sich schon knappe Termin nicht halten, so daß nach den Ferien nur 3 Klassen der katholischen Schule in den Seitenflügel einziehen konnten.
Der größte Teil des Hauses stand also noch im Rohbau, der während des Krieges als Gefangenenlager benutzt wurde. Erst am 15. November 1919 nahm die evangelische Schule ebenfalls im Seitenflügel mit einer Klasse den Lehrbetrieb auf. Beide Schulen benutzten den Flur und den Schulhof gemeinsam.
Auch die geplante Hausmeisterwohnung ließ bis Mitte 1919 auf sich warten, obgleich das unbeaufsichtigte Schulhaus in den Jahren vorher bei Einbrüchen öfter beschädigt wurde.
Ostern 1920 hatten die Handwerker das Gebäude schließlich wie geplant hergerichtet. Die katholische Schule zog in den Mittelbau um und die in der Baugenehmigung geforderte "räumliche Trennung der beiden Schulsysteme" wurde durch eine Mauer auf dem Schulhof vollzogen.

Der Rektor der Jacobischule schlug im Juli 1932 vor, die Mauer zwischen den Schulhöfen einreißen zu lassen. Die Schulbehörde stimmte zu, der Kollege der evangelischen Harkortschule war dagegen. Der Plan wurde erst im Oktober 1933 verwirklicht, nachdem die Harkortschule einen neuen Leiter bekommen hatte.
Die Schulreform des Landes NRW, die 1968 in Kraft trat, führte beide Schulen zur Gemeinschaftsgrundschule "Jacobischule" zusammen.

Die Harkortschule 1930

 

Die Harkortschule 1930 Auch auf diesem Bild sieht man die Mauer.

Die Bauarbeiten in der Kolonie nach dem Zweiten Weltkrieg

Im Jahre 1949 wurden an der Heinrichstraße und an der Hanielstraße insgesamt 13 "Schwedenhäuser" gebaut. Mit den Wohnungen in diesen unterkellerten Behelfsheimen warb die GHH dringend benötigte neue Belegschaftsmitglieder für die Zeche Jacobi an. Im Frühjahr 1956 ließ sie eiligst in der Verlängerung der Hugostraße für 20 aus Österreich kommende Bergarbeiterfamilien nach damaligem Standard komfortable Holzhäuser errichten.
Später wohnten hier auch italienische, spanische und deutsche Bergleute.

Die Kolonie Jacobi 1957 Die Lage der Schwedenhäuser ist grün und die der Holzhäuser rot markiert. Auf der blau angelegten Fläche plante die GHH das Beamten- und das Arbeiterkasino. Heute betreibt hier die Firma Lidl einen Supermarkt.

Die Schwedenhäuser 1955

Anfang der 1960er Jahre ließ die Hüttenwerk Oberhausen AG (HOAG) in einigen Baulücken Mehrfamilienhäuser sowie einen Garagenhof bauen, und seit 1989 entstanden auf den verbliebenen Freiflächen moderne Eigenheime in platzsparender Kompaktbauweise. Dem letztgenannten Bauvorhaben mußten die Schwedenhäuser und auch die Garagen weichen. Die Holzhäuser hatten schon früher ausgedient.

Die Schwedenhäuser 1955

 
© Fritz Pamp
   

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