Die Kolonie Jacobi

Die Arbeiterkolonie der "Musterzeche" Jacobi muß natürlich ebenfalls mustergültig sein. Deshalb kann der Architekt Carl Weigle, aus dessen Büro die Pläne für die Hochbauten der Schachtanlage stammen, hier seinen Ideen freien Lauf lassen.
Der Landrat des Kreises Recklinghausen erteilt am 3. Juli 1913 eine "Ansiedlungsgenehmigung zur Errichtung der Jakobikolonie" für 27 Wohnhäuser mit 54 Wohnungen für Beamte, 98 Wohnhäuser mit 343 Wohnungen für Arbeiter, vier Ledigenheime mit je einer Verwalterwohnung, eine Konsumfiliale und ein Beamten- und Arbeiterkasino mit Verwalterwohnung. Die Genehmigung für eine "Kleinkinder-Schule" erfolgt in einem Nachtrag. Gleichzeitig verpflichtet er die GHH, der Gemeinde Osterfeld in der Kolonie ein geeignetes Grundstück für den Schulbau und zwei "Polizeisergeantenwohnungen" mit je zwei Arrestzellen zur Verfügung zu stellen.
Die Wohnungen dürfen nicht in von Arbeitern bewohnten Häusern sich befinden, müssen einen besonderen Eingang haben und mindestens aus je 4 Zimmern, Küche, Keller, Boden, kleinem Garten und Stallung bestehen. (Ansiedlungsgenehmigung)

Die Jacobi-Kolonie entsteht zwischen 1913 und 1919. Sie beeindruckt durch die Typenvielfalt der eineinhalb- und zweigeschossigen Häuser, welche der Architekt mit verhältnismäßig kleinen Änderungen der Fassaden und Dachformen erreicht. Jede der fünf rechteckigen Gebäudegruppen bildet den Rahmen für die Höfe und Nutzgärten; daraus ergibt sich eine sehr aufgelockerte Bebauung mit vielen Spielflächen für die Kinder. Bedingt durch die Kriegs- und Nachkriegszeit kann die GHH jedoch auch hier ihre Baupläne nicht ohne Abstriche verwirklichen. Die Anzahl der erstellten Wohnungen schmilzt auf 161 zusammen, ferner beschränkt man sich bei den Ledigenheimen, dem Kindergarten und der Konsumfiliale auf eine Sparlösung und bringt alle drei Einrichtungen in einem Gebäude unter. Die Kasinos fallen dem Rotstift zum Opfer.

Bild 73: Kolonie Jacobi

Bild 73: Kolonie Jacobi

Die Kolonie liegt zwischen der Hugostraße, der Hanielstraße, der Turnplatzstraße und der Teutoburger Straße. Sie gehört zu den schönsten im Ruhrgebiet, bis sie Anfang der 1990er Jahre an die Mieter verkauft und von diesen sehr individuell gestaltet wird. Von der Harmonie der Weigle'schen Klinkerbauten ist nicht viel geblieben.

Unverändert sind dagegen die Namen für die neuen Straßen in der Siedlung erhalten. Hugo Jacobi, der im Ruhestand lebende Generaldirektor und Enkel des Firmengründers Gottlob Jacobi, gibt nicht nur dem Bergwerk, sondern auch zwei Straßen seinen Namen. Zwei weitere Straßen werden nach Heinrich Huyssen und eine dritte nach Franz Haniel benannt, die beide zu den Firmengründern zählen. Die Herren Carl Lueg und Gottfried Ziegler leiten als Generaldirektoren das Unternehmen. Und daß das Ledigenheim von der Ledigenstraße und von der Heimstraße flankiert wird, ergibt sich anscheinend von selbst.

Bild 74: Eine Hausvariante in der Kolonie

Bild 74: Eine Hausvariante in der Kolonie

Zwischen 1912 und 1927 bauen mehrere Architekten in unterschiedlichen Baustilen an der Jacobi- und an der Waldstraße (heute Im Fuhlenbrock) die Wohnungen für die Betriebsbeamten. Obgleich diese zum Teil villenartigen Häuser nicht verklinkert sind, fügen sie sich gut in das Gesamtbild ein.

Bild 75: "Beamtenhäuser" an der Jacobistraße

Bild 75: "Beamtenhäuser" an der Jacobistraße

 

© Fritz Pamp


   

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